Donnerstag, 12. Juni 2014

Hochbeete - worauf kommt es an?

Man könnte meinen, die Auswahl eines Hochbeets - egal ob selbst entworfen und gebaut oder als Bausatz gekauft -, sei nur eine Frage des Geschmacks und des Portemonnaies. Aber es gibt da durchaus noch andere sehr wichtige Aspekte.
Eine kleine, aber feine Hochbeet-Ausstellung findet man
 in der Kleingartenanlage Weihenstephan.

Unter Hochbeet versteht man üblicherweise einen Behälter mit Pflanzenabfällen (grüne und verholzene, manchmal etwas Stroh) in verschiedenen Zerkleinerungen oder Zersetzungsstadien, die mit Kompost und Erde abgedeckt und dann bepflanzt werden. Solche Garten-Hochbeete sitzen direkt auf dem gewachsenen Boden auf oder sind sogar etwas in den Boden eingelassen (siehe Anleitung Hochbeet bauen). Solch ein Hochbeet ist nach unten durchlässig, sodass überflüssiges Wasser (zu viel Regenwasser sowie Wasser, das bei der Zersetzung von organischem Material frei wird) nach unten abfließen kann. Bei überdachten Aufstellplätzen ist das nicht zwingend nötig - allerdings sollte man trotzdem im Behälter auf eine Dränageschicht im unteren Bereich Wert legen und eventuell einen Wasserüberlauf im oberen Bereich der Dränage anbringen.

Hochbeete im Garten sind mit dem Boden verbunden, sodass ein Austausch zwischen Boden und dem Inneren des Hochbeetes stattfindet. Wasser kann zirkulieren, Bodenlebewesen können auf- und absteigen, nur vor der Zuwanderung von Mäusen, Wühlmäusen und Maulwürfen sollte man das Hochbeet durch ein Drahtnetz schützen.

Wenn nach ein paar Jahren der Inhalt des Hochbeetes komplett zersetzt und zu reifem Kompost geworden ist, kann man ihn herausschaufeln und als Dünger und Bodenverbesserer im Garten verteilen. Wie mit anderem Kompost auch, erhöht man so die Bodenfruchtbarkeit.

Hochbeete kann man als Bausatz kaufen, komplett selbst planen und bauen, oder sie nach eigenem oder einem fremden Plan bauen lassen. Üblich sind Konstruktionen aus Holz, (Holz kombiniert mit) Metall, Kunststoff-Stecksysteme und gemauerte Hochbeete.

Hochbeet - die wichtigsten Entscheidungen, Aspekte:
  • Wie groß soll das Hochbeet sein?
     Die Breite und die Höhe sind nicht nur um eines bequemen Arbeitens willen wichtig, sondern auch wegen des Drucks, den das Erd-/Kompostvolumen auf die Wände ausübt. Je höher und je breiter das Hochbeet, desto größer wirkt der Druck nach außen. Manche Stecksysteme aus Kunststoff können diesem Druck nach einigen Jahren nicht genug entgegensetzen - zum Beispiel, wenn ihnen extreme Temperaturen im Sommer und Winter zuschaffen gemacht haben. Aber auch eigene Konstruktionen aus anderen Materialien können instabil werden, wenn z. B. nicht genügend Stützpfosten an die Längsseiten platziert werden, diese nicht tief genug gesetzt werden oder zu schnell verrotten. 
  • Langlebigkeit des Hochbeets
    Ob man sich ein Hochbeet aus (Kunst-) Stein, Holz, Holz mit Metall oder aus Kunststoff zulegt, sollte man nicht nur vom Preis, von der Optik und der Einfachheit des Aufbaus abhängig machen, sondern auch von der Lebensdauer, die man von seinem Hochbeet erwartet. Für jemanden, der vielleicht nur zwei Jahre ein bestimmtes Beet oder einen Garten zur Verfügung hat, für den reicht möglicherweise eine provisorische, mobile und/oder preiswerte Lösung aus Kunststoff oder (Abfall-) Holz, aber für einen Garten, an dem man sich dauerhaft erfreuen will, wird man lieber auf die Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit von gemauerten Hochbeeten oder Hochbeeten aus hochwertigem Holz setzen. Die Langlebigkeit ist allerdings nicht nur vom Material, sondern auch von der dauerhaften Stabilität der Konstruktion (z. B. durch ausreichende Stützung an den langen Seiten, s. o.) abhängig.

    Tipp: Ein Hochbeet aus Holz hält länger, wenn die Seitenwände innen mit Folie ausgekleidet werden.
  • Kann und will ich das Hochbeet selbst aufbauen?
    Ein Hochbeet zu bauen erfordert je nach Hochbeet-Art nicht nur handwerkliche Fähigkeiten - so kann dazu Mauern oder Sägen und das Verbinden von massivem Holz gehören -, sondern auch körperliche Kraft (Rasensoden abtragen, Holz oder Steine schleppen, Erde schaufeln usw.). Glücklich ist, wer eine/n HandwerkerIn im Haus und freiwillige HelferInnen hat. Ansonsten kann man aber auch ein Unternehmen/Fachfirma aus dem Galabau (Garten- und Landschaftsbau) beauftragen. Tipp: Wenn Sie wegen des leichteren Materials und der praktischen Steckbauweise einen Bausatz aus Kunststoff oder anderem Material in Erwägung ziehen, fragen Sie nach der Lebensdauer und langfristigen Stabilität des Materials und der Konstruktion sowie nach der empfehlenswerten Aufbauhöhe. 
  • Will ich mein Hochbeet mit einem passenden Frühbeetüberbau?
    Einige Hochbeet-Bausätze aus dem Handel sind mit einem passenden Frühbeetüberbau ausgestattet, der sich im Sommer abnehmen lässt. Wer solch einen Luxus auch bei seiner Eigenkonstruktion haben möchte, kann sich mit einem Frühbeettunnel behelfen oder Ähnliches aus Folie und Metall- oder Holzkonstruktion selbst entwerfen (an die Lüftung und die Verankerung denken).
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  • Benötige ich Ablageflächen, Flächen zum Aufstützen?
    Viele Frühbeete haben oben keinen breiten Rand. Wer eine Ablagefläche, oder einen breiteren Rand zum Abstellen (z. B. der Pflanzkisten vor dem Auspflanzen), Aufstützen oder als Not-Sitzgelegenheit haben möchte, sollte das von Anfang an bei seinem Entwurf oder seiner Kaufentscheidung berücksichtigen.  
  • Wenn mein Hochbeet keinen Kontakt zur Erde haben kann
    Gerade beim Urban Gardening (Gärtnern in der Stadt) hat man nicht unbedingt gewachsenen Boden zur Verfügung, auf den man das Hochbeet aufsetzen kann - z. B. auf Dachterrassen, Balkonen, Terrassen oder temporären Gärten/Begrünungsaktionen auf betonierten Flächen. Einen Ersatz für Garten-Hochbeete bieten hier große Pflanzbehälter, auch darin kann man schichten und "kompostieren" - z. B. zwischen einer Dränageschicht unten und der oberen "guten" Pflanzerde kann man die Pflanzenabfälle und durchwurzelte Erde vom Vorjahr unterbringen. [Da ich das seit Jahren auf meiner Terrasse betreibe, weiß ich, dass es funktioniert. Allerdings versuche ich, darauf zu achten, dass die Abfälle von Zierpflanzen aus Nicht-Biologischem Anbau wieder in Behältern für Zierpflanzen landen und nicht etwa unter meinen Tomaten, Bohnen, Auberginen oder anderen Gemüsen.] Bei einem wertvollen Bodenbelag sollte man möglicherweise verhindern, dass bei Starkregen oder Gießfehlern überschüssiges Wasser über den Bodenbelag laufen kann - sondern einen Ablauf in einen versteckten Auffangbehälter einplanen.

    Eine weitere Alternative zum Garten-Hochbeet sind Tischbeete - Wannen auf Stelzen mit oder ohne Räder an diesen. Der Platz für die Erde ist in diesen Tischbeetwannen allerdings vergleichsweise gering und daher ist in der Regel keine Schichtung (und damit keine Kompostierung von Gartenabfällen im Inneren) möglich. Dafür haben Tischbeete den Vorteil, dass man an ihnen im Sitzen arbeiten kann. 
Wer weitere Tipps hat: Ich freue mich über Ergänzungen per Kommentar.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag! Er ist echt sehr interessant!

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    1. Danke schön. Bei so positivem Feedback macht das Schreiben gleich noch mehr Spaß!

      Viele Grüße
      Eva Schumann

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  2. Da bei uns die Wühlmäuse alles wegfressen, wollen wir jetzt ein Hochbeet bauen. Diese Seite ist als Anleitung einfach toll.
    Ich danke Dir dafür.
    Schöne Grüße
    Dietrr

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