Donnerstag, 27. April 2017

Knollenfenchel selbst anbauen und genießen

Knollenfenchel (Gemüsefenchel) ist ein wunderbares Gemüse, das bei uns oft noch nicht die Wertschätzung erfährt, die es eigentlich verdient: Weil die Pflanzen im Rohzustand nach Anis riechen, werden sie von manchen von vorneherein aus der Küche verbannt, allenfalls als Fenchelsamentee gegen Magen- und Darmprobleme erhält der Fenchel Gnade und verschafft Betroffenen Linderung. Dabei sind die weißen Knollen des Knollenfenchels leicht anzubauen und gebraten, gedünstet, gegrillt oder gebacken ein zartes, saftiges Gemüse, das vitamin- und mineralstoffreich und auch überaus bekömmlich ist.

Knollenfenchel braucht genügend Platz, Wärme,Wasser und Nährstoffe

Pflanzensteckbrief 
Fenchel Foeniculum vulgare gehört zur Familie der Doldenblütler. Die Gemüse-, Gewürz und Heilpflanze stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum und ist deshalb auch frostempfindlich. Die Pflanzen enthalten viel Vitamin C, sekundäre Pflanzenstoffe wie Karotin sowie Mineralstoffe.

Der Knollenfenchel Foeniculum vulgare var. azoricum ist eine Kulturform des wilden Fenchels und bildet im unteren Bereich eine Knolle aus – sie wird aus den fleischig verdickten Blattscheiden geformt, ist also eine Sprossknolle, keine Wurzelknolle. Tatsächlich wird der Gemüsefenchel zum Stielgemüse gezählt.

Fenchel ist eine Langtagspflanze, die bei der Frühjahrsaussaat mit der Kombination aus länger werdenden Tagen und Wärme in die Blütenbildung geht – was beim Knollenfenchel die Knollenbildung verhindert und daher unerwünscht ist (nur die Bienen freuen sich). Auch Trockenstress kann zu einer vorzeitigen Blütenbildung führen und die Knollenbildung verhindern.

Sorten

Die ursprünglichen Knollenfenchelsorten konnten erst ab Juli ausgesät werden, weil sie bei einer frühen Aussaat wegen der zunehmenden Tageslänge schossten, d. h., keine Knolle bildeten, sondern in die Blüte gingen. Inzwischen gibt es für die frühe Aussaat von Knollenfenchel tagneutrale Sorten wie 'Zefa Fino', 'Fino', 'Finale' (im Gewächshaus Vorkultur ab Ende Januar zur Pflanzung ins Gewächshaus im März, ansonsten Vorkultur ab April zur Pflanzung Ende Mai ins Freiland, im Freiland Direktsaat ab Ende Mai) oder auch die 'Rondo' F1-Hybride (Aussaat Juni bis Mitte Juli, letzte Pflanzung vor Mitte August).

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Anbau

Fenchel wird im Allgemeinen im Gartenbeet angebaut, beispielsweise in Mischkultur mit anderen Gemüsepflanzen (Bild oben), in Hügelbeeten und in Hochbeet. Ich habe (vorgezogenen) Fenchel in Weihenstephan aber auch schon in gemischten Balkonkästen gedeihen sehen. Tagneutrale Sorten können ab März ins Gewächshaus und ab April bereits ins Frühbeet gepflanzt werden - zum Schutz gegen Nachtfröste und zur Ernteverfrühung werden sie mit ein bis zwei Lagen Vlies abgedeckt. Der letzte Fenchel im Jahr sollte vor Mitte August gepflanzt und vor den ersten Frösten abgeerntet werden.

Fenchel mag gerne humosen, durchlässigen Boden, der mit Kompost vorbereitet wurde, beziehungsweise entsprechendes Substrat. Er braucht warme, sonnige Lagen, sonst kann es Probleme mit Pilzkrankheiten oder Bakterienfäule geben. Um Fenchelpflanzen vor zu nassen Füßen zu schützen, kann man sie auch auf kleine Erdwälle pflanzen. Andererseits hat Knollenfenchel aber einen hohen Wasser- und Nährstoffbedarf.

Die Vorkultur an einem geschützten Ort spart Platz im Beet und die Pflanzen haben im Beet später einen Vorsprung gegenüber Unkraut. Gesät wird in Schalen mit Aussaaterde, der Samen wird angedrückt, leicht mit Erde bedeckt (doppelte Samendicke) und mit weicher Brause angegossen. Nach etwa 8 bis 21 Tagen (je nach Temperatur [optimal ca. 22 °C] und Sorte) erscheinen die Pflänzchen. Sobald sie mit den Fingern zu greifen sind, werden sie in Schalen mit Erdpresstöpfen oder in kleine Töpfe mit Pikiererde vereinzelt. Vor den Eisheiligen dürfen sie ins Gewächshaus oder Früchbeet, nach den Eisheiligen ins Freilandbeet gepflanzt werden - Endabstand im Beet etwa 30 x 25 cm.

Fenchelknollen-Lagerung 

Gelagert wird Fenchel am besten im Kühlschrank bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt und bei hoher relativer Luftfeuchte. Spät ausgesäten und spät geernteten Knollenfenchel kann man auch in einem kühlen Raum in einem Behälter mit feuchtem Sand einlagern oder im kalten Gewächshaus in Erde eingraben. Länger als 6 bis 8 Wochen sollte die Lagerzeit aber nicht dauern.

Pflanzengesundheit

Wie oben bereits erwähnt, sollte man Pilz- und Bakterienkrankheiten vorbeugen, indem man nasse Füße verhindert und jeder Pflanze einen Raum von etwa 25-30 cm zu allen Seiten bietet. Probleme machen manchmal Kaninchen (in gefährdeten Gebieten Kaninchenzaun oder Fernhaltemittel* ums Beet), Blattläuse oder Schnecken bereiten.
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Zubereitung

Schaut man im Internet nach "Fenchel Rezepte" findet man eine Vielzahl an Rezepten. Natürlich kann man Fenchel auch als Rohkost essen, aber ich persönlich mag ihn am liebsten in Olivenöl gebraten (Bestandteil vom italienischen Vorspeisenteller), gebacken auf einem Quiche oder gedünstet in Eintöpfen oder im Risotto.

Mein Lieblingsrezept:

Risotto aus Zwiebeln, Fenchel, Hähnchenfilet und Reis 


Einen Fenchel-Risotto habe ich in jungen Jahren mal in der Toskana gegessen, gekocht hatte es aber eine Deutsche. Vor ein paar Jahren habe ich mich daran erinnert und mit diesem Rezept komme ich dem Risotto in meiner Erinnerung recht nahe.

Zutaten:
Zwiebeln, Fenchel, Hähnchenfilet, Reis (ich nehme soßenfreundlichen Langkornreis, aber es geht auch Risottoreis oder Naturreis), Gemüsebrühwürfel, Butter, Salz und Pfeffer, eventuell ein wenig Zucker
(man kann das Fleisch auch weglassen, schmeckt ebenso vegetarisch zubereitet)
Zubereitung:
Die in grobe Stücke geschnittene Fenchelknolle, in Streifen geschnittenes Hähnchenfilet und die gehackte Zwiebel in einer großen Pfanne anbraten. Den Reis nebenbei in einem Topf ankochen und dann samt dem noch nicht verbrauchten Wasser in die Pfanne zum Fleisch und Gemüse geben, etwas zerbröselten Gemüsebrühwürfel darüber streuen, umrühren, Herd runterschalten, Deckel auf die Pfanne und alles ziehen lassen, bis der Reis gar ist (das kann man auch in einen Backofen verlegen, wenn man eine entsprechende Pfanne oder einen Brattopf hat). Etwas Butter und gehacktes Fenchelgrün dazu geben, mit Salz, Pfeffer und eventuell Zucker abschmecken. Fertig und "Guten Appetit".

(Bild vom Risotto wird bei Gelegenheit nachgeliefert)

*Werbelink

Welche Tipps zum Fenchelanbau oder welche Fenchelrezepte habt ihr/haben Sie?


Kommentare:

  1. KLASSE! Ich mag Fenchel total gerne und dachte, ich wäre dieses Jahr schon zu spät dran, aber das sieht ja noch machbar aus! da werde ich doch gleich kommendes Wochenende noch was säen. Danke Dir für den ausführlichen Artikel! Liebe Grüße, Caro

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  2. Merci für den schönen und informativen Fenchelartikel. Ich liebe Fenchel als Auflauf, Risotto, als Tee, und sogar meine Zahnpasta kommt mit Fenchel daher. Was ich noch nicht wußte war, dass man Fenchel bis Mitte August säen kann, das ist wunderbar. (-;, Viele Grüße, Nivi

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  3. Aussaat im August ist etwas zu spät! Man sollte bis bis Mitte Juli aussäen - entweder direkt ins Beet oder eben in eine Aussaatschale. Die aus der Aussaatschale werden nach dem Keimen vereinzelt und dann spätestens Mitte August ins Beet gepflanzt. Man kann Anfang bis Mitte August auch Jungpflanzen vom Gärtner kaufen und die dann ins Beet pflanzen.

    Gutes Gedeihen

    Eva

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