Sonntag, 2. November 2014

Huch: Meine dunkellaubige Süßkartoffel hat weiße Knollen!

Süßkartoffel Ipomoea batatas ´Sweet Caroline Purple´ im Kübel auf der Südterrasse - Erfahrungen und Ernte 2014.

Bei uns im Supermarkt sind die dicken, länglichen Knollen der Süßkartoffel zwar noch kritisch beäugte Exoten, aber weltweit gesehen ist die Batate Ipomoea batatas eine bedeutende Nutzpflanze. Von ihrer Heimat Mittelamerika aus eroberte sie den amerikanischen Kontinent, wurde in die Südsee, nach Afrika und Europa gebracht und auch anderswo auf der Welt eingeführt. Inzwischen ist die Volksrepublik China lt. Wikipedia der größte Anbauer weltweit.

Mit der Kartoffel hat die Süßkartoffel - von der botanischen Systematik her betrachtet - wenig gemeinsam, denn sie gehört zu den Windengewächsen, während die Kartoffel ein Nachtschattengewächs ist. Aus diesem Grunde können von der Batate nicht nur die unterirdischen Speicherwurzeln, die "Knollen", gegessen werden - z. B. in Scheiben geschnitten und gebraten -, sondern auch die Blätter. Bei Kartoffeln dagegen sind die Blätter wegen des enthaltenen Solanins giftig.

Süßkartoffel Ipomoea batatas ´Sweet Caroline Purple´
Als ich herausfand, dass es bei den Süßkartoffeln auch solche mit dunklem Laub gibt und diese Sorten dann auch lavendel- bis violettfarbig blühen können, wollte ich unbedingt eine solche im Kübel auf meiner Terrasse anbauen. Zwar möchte ich keinen rein schwarzen Garten oder Topfgarten, aber dunkellaubige Pflanzen oder solche mit dunklen Blüten oder Früchten beleben eine Pflanzengesellschaft - nicht nur im Staudenbeet, sondern auch im Gemüsegarten, gemischten Balkonkasten oder Topfgarten.

Gefunden habe ich die Süßkartoffel Ipomoea batatas ´Sweet Caroline Purple´ dann als "Blattschmuckpflanze" bei Olerum - das ist der Verband Deutscher Garten-Center (olerum.de). Sie schien allen meinen Wünschen zu entsprechen. Anfang Mai 2014 habe ich eine Jungpflanze bestellt und sie innerhalb weniger Tage erhalten. Ich pflanzte die gesunde, kräftige Pflanze in einen großen Kübel mit Bioerde und einem Rankgitter im hinteren Topfteil und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Die Pflanze ist im Laufe des Sommers sehr gut gediehen. Sie bekam Wasser nach Bedarf und wurde von mir gelegentlich mit einem pflanzlichen, organischen Gemüsedünger gedüngt.

Die fleischigen Triebe sind zwar im Vergleich zu den Trieben von Stangenbohnen eher langsam gewachsen, aber die Pflanze wurde schnell dichter und üppiger. Sie ließ sich allerdings nur durch Aufbinden dazu bringen, an einem Gitter ein wenig in die Höhe zu wachsen. Das tief gelappte, dunkelgrüne bis auberginefarbige Laub war aber auch als Kübel-/Bodendecker sehr attraktiv.

Auf meiner trocken warmen Südseitenterrasse traten keinerlei Krankheiten oder Schädlinge auf. Auch Ende Oktober wirkte die Pflanze noch frisch und gesund. Blüten entwickelte sie leider nicht. 

Ist doch schön, wenn eine Pflanze nicht nur optisch was hermacht, sondern auch etwas zum Speisezettel beiträgt.
Geerntet habe ich am 1. November, weil ich zu neugierig geworden war, was da die Erde von unten leicht aufwölbte. Tatsächlich fand ich beim Graben einige Knollen. Und Überraschung: Die Knollen meiner Süßkartoffelpflanze sind nicht orange, rot und/oder braun wie die im Supermarkt, sondern durch und durch schneeweiß! Jetzt verstehe ich auch, warum einer der vielen Namen der Batate "Weiße Kartoffel" lautet. Allerdings gehört die Süßkartoffel Ipomoea batatas ´Sweet Caroline Purple´, so viel ich weiß, nicht zu den Sorten, die zur Nahrungsmittelproduktion angebaut wird.

Übrigens war die Erde in besagtem Kübel am Ende der Kultur in bestem Zustand, schön locker und ohne jede Ablagerungen, so dass man sie auch nächstes Jahr wieder verwenden kann. Wegen der lockernden Wirkung und weil keine andere unserer Nutzpflanzen zu den Windengewächsen gehört, passt die Süßkartoffel sehr gut zur Erweiterung der Fruchtfolge.

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Gelagert wird die Batatenknolle wie eine Kartoffel: kühl und dunkel. Ein bis zwei Knollen werde ich wohl braten, die anderen aber kühl lagern und später für das nächste Jahr vorziehen. Da möchte ich ausprobieren, wie sich die Süßkartoffel mit einer in die Höhe wachsenden Pflanze in einem Kübel verträgt - denn bei wenig Platz muss man auch die Vertikale ausnutzen.

Dünne Scheiben Süßkartoffel in der Pfanne angebraten und
mit Salz und Pfeffer gewürzt. Sehr lecker!
Nachtrag: Verwertung und Geschmack
Geschmeckt haben meine Süßkartoffeln sehr gut. Ich habe sie mit dem Kartoffelschäler geschält, in dünne Scheiben geschnitten und diese in Olivenöl in der Pfanne angebraten. Dann etwas Salz und Pfeffer drauf und schon war das Gericht fertig.

Geschmacklich habe ich kaum einen Unterschied zu einer guten, aromatischen Kartoffelsorte wahrgenommen. Meine "Chips" waren vielleicht ein klein wenig fester. Ich könnte mir vorstellen, dass etwas Rosmarin beim Braten gut dazu gepasst hätte, aber ich wollte beim ersten Probierversuch möglichst viel vom Eigengeschmack mitbekommen und schon das Olivenöl beeinträchtigt das Geschmackserlebnis - ich hatte nur kein neutrales Öl da.

Ich erhielt/fand weitere Tipps und Rezepte zur Verwertung:

  • japanisch: Süßkartoffel in Scheiben in Sesamöl anbraten , servieren mit Radieschenlaub
  • thailändisch: gebacken als Beilage zu Thai-Curry
  • amerikanisch (traditionelle Thanksgiving-Beilage): Süßkartoffel als süßes Pürree oder süßen Auflauf (mit braunem Zucker oder Ahornsirup und Butter, eventuell Nüssen oder Erbsen)
  • mexikanisch: Süßkartoffel mit Rinderhackfleisch, Zucchini, Paprikaschoten, Zwiebel, Erdnussbutter und Zimt
  • vegetarisch: pikanter, überbackener Gemüseauflauf mit Süßkartoffel, Lauch, Zucchini, Kurkumagewürz etc.
  • vegetarisch: Süßkartoffel-Gratin mit Walnüssen, Thymian, Sahne, Chili, Muskat und Käse
Wie aus unserer Speisekartoffel, die ursprünglich auch aus dem südlichen Amerika stammt, kann man auch aus der Süßkartoffeln viele interessante Gerichte zubereiten.

Mein Fazit: Durchaus empfehlenswert!

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Kommentare:

  1. Spannende Sache. Erzähl mal, wie diese Süßkartoffeln schmecken.

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  2. Sehr gut. Ähnlich wie gute Kartoffeln. Habe oben noch ein Bild und einen Nachtrag zur Verwertung eingefügt.

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  3. Die übrig gebliebenen Süßkartoffelknollen habe ich im nächsten Frühjahr in einen Kübel gepflanzt. Nach einigen Wochen Geduld und warmem Wetter trieben sie endlich wieder aus.

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