Freitag, 29. Januar 2021

Frühe Gemüse im Kleingewächshaus

Kohlrabi und Salat kann man schon bald
ins ungeheizte Gewächshaus pflanzen
Auch im ungeheizten Gewächshaus kann man Ende Februar/Anfang März schon säen und pflanzen (in Gegenden mit mildem Klima oder in milden Jahren auch schon früher). Für die Jungpflanzenanzucht von wärmeliebenden Sommergemüsen benötigt man allerdings ein warmes Gewächshaus oder anderen Platz mit Licht und Wärme. (aktualisiert 2021)

Ein Kleingewächshaus ist ein vergleichsweise kleines Gewächshaus im Hausgarten, der Kleingartenanlage, auf dem Balkon, dem Dach oder sonstwo zur (hobby-)gärtnerischen Nutzung. Was man mit einem Kleingewächshaus ab Ende Februar/Anfang März schon alles anstellen kann, hängt vom örtlichen Klima (Höhenlage, Berg-, Meer- oder Flussnähe, dem regionalen Wetterverlauf des aktuellen Jahres) und dem Gewächshaus selbst (Eindeckungsmaterial, Isolierung etc.) sowie seiner Technikausstattung/Klimatisierung (Temperatureinstellung durch Heizen und Lüften) ab. Alle empfohlenen Aussaat- und Pflanztermine auf Samenpackungen, in Büchern und in Gartenblogs sind unter diesem Vorbehalt zu sehen. Wer im Weinbauklima wohnt darf in der Regel früher beginnen als jemand an den Alpen - außer die Wetterkapriolen des Jahres bringen alles durcheinander.

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Am gebräuchlichsten sind bei uns ungeheizte, einfache Kleingewächshäuser wie begehbare Folientunnel, einfache Glashäuser und Stegdoppelplatten-Gewächshäuser – nicht zuletzt, weil sie in der Anschaffung günstiger sind und auch keine Heizenergie verbrauchen. In diesen Gewächshäusern ist es bei geschlossener Lüftung nachts nur wenige Grad wärmer als draußen. Tagsüber kann es an sonnigen Tagen wegen des Treibhauseffekts aber bereits schön warm werden, weshalb die Gemüse recht zügig wachsen - sogar zu warm, wenn man nicht rechtzeitig lüftet (!).

Gemüse-Frühjahrsanbau im Gewächshaus

In manchen dieser einfachen, unbeheizten Gewächshäusern stehen noch Feldsalat und Spinat, die im vergangenen Herbst ausgesät oder gepflanzt wurden – die Beete können jetzt an frostfreien Tagen nach und nach abgeerntet werden.

Ab Mitte oder Ende Februar beginnt man im unbeheizten Gewächshaus mit der Vorbereitung des Bodens für die Frühjahreskulturen, damit man ab Ende Februar/Anfang März die ersten Gemüse pflanzen kann, beispielsweise vorgezogenen Kohlrabi, Rettich, Radies, Kopfsalat oder Eissalat. Diese frühen Pflanzgemüse sind bis circa Ende April/Anfang Mai abgeerntet und machen dann Platz für die Pflanzung der Hauptkulturen, die über den Sommer stehen, wie Tomaten, Auberginen, Chili, Paprika und Gurken.

Kopfsalat, Eissalat, Schnittsalat, Pflücksalat?

Kopfsalat ist ein Gartensalat (Lactuca sativa), der einen festen Kopf bildet, den man auch nur als ganzen Kopf ernten kann. Der Eissalat ist praktisch die knackige Version (Crisphead Group) davon. Bei Schnittsalat und Pflücksalat sitzen die Blätter lockerer beieinander. Dennoch wird der Schnittsalat auf einmal, sprich mit einem Schnitt, geerntet. Der Pflücksalat wird dagegen nach und nach gepflückt, immer nur die äußeren Blätter - wenn man regelmäßig erntet und das Herz unverletzt lässt, kann man vom Pflücksalat monatelang frische Salatblätter ernten, ohne neu pflanzen zu müssen. Der Vorläufer des Eissalates, der Bataviasalat, bildet keinen festen Kopf und kann als Schnitt- oder Pflücksalat geerntet werden.


Die ersten Sätze der gepflanzten Frühgemüse schützt man zu Anfang mit ein (tagsüber) bis zwei (nachts) Lagen Vlies. Nachts kann man sie zusätzlich auch mit Zeitungspapier oder Stroh abdecken, wenn tiefe Minusgrade vorhergesagt werden – oder man deckt das ganze Gewächshaus mit Strohmatten zu. Wenn es frostfrei ist, sollte tagsüber rechtzeitig gelüftet werden, um die Temperaturschwankungen in Grenzen zu halten.

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Statt vorgezogene Pflanzen ins Gewächshaus oder Frühbeet zu setzen, kann man ab Ende Februar/Anfang März einige Gemüse auch direkt ins Beet aussäen, beispielsweise Spinat, Kresse, Radieschen, Rukola, frühe Erbsen etc. An Ort und Stelle gesäte Radieschen sind natürlich später erntereif als vorgezogene Radieschen, die zum gleichen Termin ausgepflanzt werden.

TIPP: Wichtig beim Frühjahrsanbau sind die richtigen Gemüsesorten: Für den Anbau im Frühjahr wählt man man frühe Sorten, bei Radieschen beispielsweise 'Saxa 3' oder 'Lucia F1', bei Kohlrabi.

Gemüse-Anzucht im Gewächshaus

Gemüseaussaaten im warmen Gewächshaus
Wer ein warmes Gewächshaus hat (oder zumindest in einer Anzuchtskabine oder auf der Fensterbank etwa 20 bis 25 Grad Celsius halten kann), der kann sein Gewächshaus auch für die Aussaat und Jungpflanzenanzucht nutzen.

Ab Februar werden langsam wachsende Chili und Paprikasorten sowie Auberginen für die Pflanzung Ende April ins Gewächshaus ausgesät. Ab Mitte März können die ersten Tomaten ausgesät werden.

Nach der Keimung der Samen werden die Pflanzen vereinzelt und etwas kühler gestellt. Die Jungpflanzenphase dauert bis Ende April/Anfang Mai - dann werden die Pflanzen ins Gewächshaus oder ein geschlossenes Tomatenhaus gepflanzt. Tomaten für das Freiland oder für die Pflanzung unter ein reines Regenschutzdach sät man erst ab Ende März aus.

Meine Bücher zum Thema


Gemüse und Kräuter sind ein großer Schwerpunkt bei den Nutzungsarten, aber es wird auch gezeigt, wie im Gewächshaus Kübelpflanzen überwintert, Kakteen, Palmen, Farne, Tropenpflanzen und exotische Früchte kultiviert werden und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.


Das KleingewächshausTechnik und Nutzung
Eva Schumann/Gerhard Milicka 
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 5. Auflage (2019)
gebundenes Buch, 319 Seiten
158 Farbfotos, 68 farbige Zeichnungen, 35 Tabellen
ISBN 3-8186-0822-9
-> Online-Bestellung*



Wer sich nur für Gemüse und Kräuter interessiert:


Gewächshaus und Frühbeet*
erfolgreich nutzen für den eigenen Gemüseanbau
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 1. Auflage (22. Juni 2017)
Taschenbuch, ca. 128 Seiten
ISBN 3-8186-0947-0



  • Buchabbildungen und mit Asterisk (*) gekennzeichnete Links sind mit meinem Werbepartner Amazon.de verlinkt. Alle Bücher können jedoch auch beim Verlag sowie im örtlichen Buchhandel gekauft werden.

Hinweis: Die in diesem Gartenblog genannten Aussaat- und Pflfanztermine orientieren sich am Klima in Freising/Oberbayern. Sie passen für Standorte mit ähnlichen Winterbedingungen wie Dresden und Erfurt. An Standorten mit milderen Wintern wie Aachen, Köln, Frankfurt, Helgoland kann in der Regel früher mit dem Anbau begonnen werden. (Klimadaten siehe Spiegel Wissenschaft)

Alle Garten-Webprojekte von Eva Schumann Online Publikationen: www.hobbygarten.de/gartentipps (tinto-Projekt)

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Dienstag, 26. Januar 2021

Plastikfrei gärtnern: Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen. #machsnachhaltig (Buchvorstellung)

Gerade frisch erschienen ist ein neuer Gartenratgeber von Elke Schwarzer im Verlag Eugen Ulmer: Plastikfrei gärtnern: Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen. #machsnachhaltig. Kurze Vorstellung und mein Fazit. (Werbung wegen Markennennung, unbezahlt, **)

Die Kunststoffherstellung verbraucht fossile Rohstoffe. Plastik kann gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, die das Hormonsystem durcheinander bringen können. Und die Abfälle aus Plastik landen viel zu oft in der Umwelt sowie in den Mägen von Vögeln, Fischen, Schildkröten und anderen Tieren, die daran zugrunde gehen. Das sind nur einige Beispiele für die negativen Auswirkungen der Verwendung (und der nachlässigen bis fehlenden) Entsorgung von Plastik.

Plastiksparen ist also gut für den Planeten, für die Tiere, für uns alle.

Aber wie kann man im Garten Plastik sparen?

Schwarzer zeigt in ihrem Buch Plastikfrei gärtnern: Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen. #machsnachhaltig * **, wo überall im Garten Plastik anfällt und wie man es durch anderes Material ersetzen kann beziehungsweise durch andere Verhaltensweisen und abgewandelte Anbauverfahren überflüssig macht. Geht es ohne Pflanztopf aus Plastik, ohne Erde aus der Tüte und ohne Düngerflasche? Schwarzer sagt, ja. Die Autorin weist den Weg hin zum plastikfreien Garten, dazu gehören kompostierbare oder wenigstens recycelbare Alternativen, mehrjährige Pflanzkonzepte, witzige Upcycling-Ideen und vieles mehr.

Das Buch ist schön gestaltet und unterhaltsam geschrieben. Einige Themen sind nur angerissen, sie würden zugegebenermaßen auch ein Buch oder eine ganze Reihe für sich alleine beanspruchen. Andere gehen ins Detail und sind voller schöner praktischer Tipps.

Mein Fazit

Plastikfrei gärtnern: Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen von Elke Schwarzer aus der neuen Reihe #machsnachhaltig des Ulmer Verlages ist ein schönes Büchlein, um sich vor der Gartensaison informieren und zum nachhaltigeren Gärtnern inspirieren zu lassen.

Buchdaten

Plastikfrei gärtnern: Über 150 nachhaltige Alternativen und Upcycling-Ideen. #machsnachhaltig * **
Elke Schwarzer
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (2021)
128 Seiten
ISBN: 3-8186-1226-9


Die Autorin

Elke Schwarzer ist Diplom-Biologin und viel in der Natur unterwegs. Sie fotografiert Pflanzen und Insekten und gärtnert in ihrem Naturgarten.

Weitere Bücher in der Reihe #machsnachhaltig* des Ulmer Verlages

Legende:
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Montag, 25. Januar 2021

Aussaatkalender Gemüse - termingerecht mit der Anzucht beginnen

Wer den Platz zum Gärtnern - sei es im Garten, auf dem Balkon, der Terrasse oder im Kleingewächshaus - möglichst gut ausnutzen möchte, der muss wissen, wann er mit der Anzucht beginnen muss, um eine bestimmte Gemüse- oder Kräuterart termingerecht an den gewünschten Standort pflanzen zu können. Hilfreich ist dieser Aussaatkalender/Anzuchtkalender: Welches Gemüse für welchen Standort (Freiland, Gewächshaus, Tunnel) ab wann ausgesät werden muss.

Ein Aussaatkalender hilft, den Zeitpunkt zu finden, wann man aussäen muss,
um zum Pflanztermin pflanzfertige Jungpflanzen zu haben.

Im Buch Das Kleingewächshaus: Technik und Nutzung* gibt es Tabellen mit der Keimdauer und Lagerbarkeit von Gemüsesamen, ausführliche Kalender für die termingerechte Anzucht von Gemüse, Kräuter und Blumen sowie ausführliche Anbauanleitungen. Die folgende Tabelle ist ein Auszug aus der Tabelle "Termingerechte Aussaat für Gemüse". Die Anzuchtsdauer in Wochen gilt für optimale Licht- und Wärmebedingungen in der Keim- und dann in der Jungpflanzenphase sowie frühzeitiges Pikieren, sobald man die Pflanzen greifen kann.

Aussaatkalender Gemüse (Januar bis März)

Gemüse Anzuchtsdauer in Wochen Wann pflanzen Wo pflanzen
Aussaat Mitte Januar
Kopfsalat
Kohlrabi


6-7
6-7


Anfang März
Anfang März


Gewächshaus
Gewächshaus
Aussaat Ende Januar
Rettich


4-5


Anfang März


Gewächshaus
Aussaat Mitte Februar
Auberginen
Paprika
Frühkohl (Weißkohl, Wirsing, Blumenkohl)
Kohlrabi
Kopfsalat


9-10
8-9
6-7



6
6


Ende April
Ende April
Anfang April



Anfang April
Ende April


Gewächshaus
Gewächshaus
Freiland



Freiland
Freiland
Aussaat Anfang März
Auberginen


9-10


Mitte Mai


Freiland
Aussaat Mitte März
Paprika

Tomaten
Brokkoli
Knollenfenchel
Sommerkohl (Blumenkohl, Weißkohl)
Sellerie
Okra
Andenbeeren


8-9

7-8
5
6
5


8
9
9


Mitte Mai

Anfang Mai
Ende April
Ende April
Ende April


Mitte Mai
Mitte Mai
Ende Mai


hochgestelltes Frühbeet, Freiland
Gewächshaus
Freiland
Freiland
Freiland


Freiland
Gewächshaus
Gewächshaus
Aussaat Ende März
Tomaten

Melonen


7-8

7-8


Mitte Mai

Ende Mai



hochgestelltes Frühbeet, Freiland
Gewächshaus, Frühbeet


Pflanzenanzucht

Für die Aussaat benötigt man einen Platz, an dem möglichst die optimalen Keimbedingungen (Licht, Temperatur) der jeweiligen Gemüse geboten sind. Oft eignet sich dafür eine helle Fensterbank oder ein Kleingewächshaus. Bei sehr frühen Aussaaten lichtbedürftiger Arten ist eine Zusatzbelichtung zu empfehlen.

Das Aussäen, Vereinzeln und Pflegen der Pflanzen macht viel Spaß, aber wenn man keinen geeigneten Platz dafür hat und trotzdem frühzeitig optimal entwickelte Pflanzen haben möchte, kauft man lieber fertige kräftige Jungpflanzen zu den unter Wann pflanzen angegebenen Zeiten. 

Experimente

Nicht immer klappt alles, wie geplant - da keimen die Samen nicht, die Jungpflanzen kommen vertrocknet mit der Post und so weiter. Dann muss man improvisieren - wie ich mit meinen Chilis 2017.

Diesen Chili hatte ich erst am 18. Mai (also mindestens zwei Monate zu spät) direkt in einen Topf auf der Terrasse ausgesät, nicht pikiert, sondern nur die kräftigsten Pflanzen stehen lassen, und konnte Ende Oktober reife Früchte ernten.

Manchmal hat man eben auch Glück, wenn man es anders macht als nach Lehrbuch. In diesem Fall war es der geschenkte Samen einer unbekannten Sorte aus Südeuropa, die jemand in Deutschland weitervermehrt hatte und ein warmer Sommer auf meiner Südterrasse, der mein Gärtnerinnenglück doch noch möglich machte. 

Grundsätzlich gilt: Planen ist gut, aber manchmal muss man flexibel sein. Zum Glück verzeihen auch die Pflanzen viel.

Saatgut und Jungpflanzen

Dies sind einige meiner Werbepartner für Samen und Pflanzen:

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Buchtipp

Für noch mehr Freude am Garten:


Das Kleingewächshaus - Technik und Nutzung*
Eva Schumann/Gerhard Milicka
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 4. Auflage (10. April 2014)
ISBN 3-8001-8064-2
-> Online-Bestellung*









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Samstag, 16. Januar 2021

Scharfe Schoten - Chili, Paprika & Co.

Jedes Jahr probiere ich ein paar neue Sorten und Anbaumethoden auf kleinem Raum aus. Zu meinen Gemüselieblingen im Topfgarten auf der Terrasse gehören Tomaten, Chilis und Paprika, Gurken, Zucchini, Baby-Leaf-Salate sowie verschiedene Kräuter. Hier ein paar Notizen zum Chilianbau, Sorten, Schärfe, Verarbeitung und mehr. (zuletzt aktualisiert 1/2021)

Chili-Ernte: So appetitlich und verlockend wie die Chili-Sorte 'Fatalii' alias "Habanero Fatalii" auch ausschaut: Die Früchte müssen wegen ihrer Schärfe mit größter Vorsicht genossen werden.

Direkt zu:
Chili anbauen (Erfahrung mit 'Fatalii')
Chili-Schärfe beherrschen
Chili-Rezepte

Chili-Sorte 'Fatalii'*: Früchte am Strauch im Kübel auf der Südseitenterrasse auf einem begrünten Tiefgaragendach

Chili anbauen

Wer Chilipflanzen selbst heranzieht, beginnt je nach Sorte zwischen Januar und März mit der Aussaat bei einer Temperatur von 22 bis 25 °C (am besten im beheizten Gewächshaus mit Zusatzlicht). Zwar hatte ich auch schon mal Glück, als ich eine schnelle Chili-Sorte erst im Mai direkt auf der Terrasse in einen Topf ausgesät habe, und konnte Ende Oktober tatsächlich reife Früchte ernten, aber das ist nur an einem warmen, sonnigen Platz, einer Sorte mit kurzer Kulturzeit und in einem Jahr mit besonders freundlichem Spätsommer und Herbst von Erfolg gekrönt.

Die Chili-Sorte 'Fatalii' gehört zur Chili-Art Capsicum chinense. Die Sorten dieser Art benötigen relativ viel Zeit von der Aussaat bis zur Fruchtreife in ihrer sortentypischen Farbe. Solche Sorten sät man schon im Januar/Februar aus, um im Sommer farbige Früchte sehen (Balkonschmuck!) und ernten zu können.

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Da ich zu spät mit der eigenen Anzucht war, habe ich 2016 eine Chili-Jungpflanze der Sorte 'Fatalii' in einem Online-Shop gekauft. Die mit der Post gelieferte Pflanze war nicht optimal entwickelt, sie war zu klein und ihre Blätter hatten Verformungen und Verfärbungen - möglicherweise wegen zu kühlem Stand oder ungeeigneter Behandlung in der Jungpflanzenphase. Aber da das Wetter nun gut war und meine Terrasse sonnig und warm ist, hat sie sich bald erholt. Pflege brauchte sie nicht viel: Ich düngte sie mit einem rein pflanzlichen organischen Dünger (Veggi-Dünger*) und goss sie nach Bedarf mit der Gießkanne.

Zuerst nahm die Pflanze ihr Wachstum auf (endgültige Höhe 40-50 cm - weniger als halb so groß wie beschrieben), dann bildete sie kleine, weiße Blüten und endlich grüne, leicht genörpelte Schoten, die gut versteckt unter dem kleinen Blätterdach heranwuchsen. Erst Ende August/Anfang September begannen die Früchte die Reifefarbe auszubilden - in diesem Fall ist sie gelb, weshalb die Sorte auch 'Fatalii Yellow' genannt wird.

Ich habe die Früchte zuerst nach Bedarf, und dann als das Wetter herbstlich kühl wurde, alle Chilischoten abgeerntet und die Chilipflanze abgeräumt: Von meiner Pflanze habe ch etwa 20 bis 25 Früchte geerntet und getrocknet. Da die Sorte sehr scharf ist und man nur wenig beim Kochen braucht, kam ich monatelang mit diesem Chili-Vorrat aus. 

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Botanisches
Alle Paprika, Peperoni und Chili sind Nachtschattengewächse (Familie der Solanaceae) und gehören zur Gattung Capsicum, allgemein auch als Paprika-Gattung bezeichnet - wobei Paprika hier für alle scharfen und weniger scharfen Arten und Sorten steht. 'Fatalii' gehört zu der Art Capsicum chinense. In dieser Art sind neben wenigen milden auch die schärfsten Chilisorten der Welt wie 'Carolina Reaper', 'Trinidad Moruga Scorpion' und 'Bhut Jolokia', die Habanero-Typen und auch die beliebten karibischen Scotch-Bonnet-Typen enthalten.

Chilifrüchte sind botanisch gesehen übrigens keine Schoten, sondern Beeren. Kochen ändert übrigens nichts an der Schärfe, ihr fruchtiges Aroma und die Vitamine bleiben aber am besten bei schonender Verarbeitung ohne Erhitzen erhalten.

Scharf, schärfer, am schärfsten


'Habanero Fatalii' hat den Schärfegrad 10. Schärfegrad 10 ist die höchste Schärfestufe, obwohl es noch wesentlich schärfere als 'Habanero Fatalii' und andere Habanero-Typen gibt, die haben dann ein oder mehrere "+" als Zusatz zur Schärfestufe - beispielsweise hat die Sorte 'Carolina Reaper' den Schärfegrad 10+++ und galt 2016 als die schärfste Chilisorte der Welt.

Laut Literatur besitzt das Fruchtfleisch von 'Fatalii' ein Zitrusaroma. Ich glaube das zwar bereitwillig, allerdings kann ich es nicht wirklich nachschmecken, denn wegen der Schärfe kann ich als Normalsterbliche höchstens vorsichtig am Finger lecken, nachdem ich ein Fruchtstückchen kurz berührt habe, und dann spüre ich vor allem Schärfe und mein Geschmackssinn sagt gar nichts mehr.
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Schärfetricks: die Chili-Schärfe beherrschen

Die Schärfe von Chili wird durch den Schärfestoff Capsaicin verursacht.

Man sollte bei der Zubereitung extrem scharfer Schoten vorsichtig sein und auch Kinder und Besucher unbedingt davon abhalten, aus Neugierde in eine Frucht zu beißen. Wer meint, eine Chilifrucht mit Schärfestufe 10+++ pur zu essen, sollte sich auf Symptome wie Kreislaufzusammenbruch, Atemnot und Erbrechen einstellen und die Nummer des Notarztes in der Direktwahl haben.

Chili-Unerfahrene ziehen bei der Verarbeitung von extrem scharfen Schoten am besten Gummihandschuhe an und setzen eine Brille auf. Auf keinen Fall sollte man sich an die Augen oder Schleimhäute fassen. Nach der Verarbeitung sollten Brettchen, Werkzeuge und sicherheitshalber auch die Hände sehr gründlich gereinigt werden (beispielsweise erst einfetten, dann mit Spülmittel reinigen).

Habanero-Chili und 'Brazilian Starfish' müssen ebenfalls
mit Vorsicht verarbeitet und genossen werden (Ernte 2014)

Will man die Schärfe von Chili bei der Zubereitung reduzieren, entfernt man die Samen und Zwischenwände der Chilischoten. Falls ein Chili-Gericht doch einmal zu scharf wird, kann man es je nach Rezept mit Gemüse, Brühe, Sahne/Milch sowie Nudeln oder Reis strecken.

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Hat man versehentlich in eine zu scharfe Frucht oder ein Fruchtstückchen gebissen, hilft am besten Fetthaltiges wie (Toastbrot mit) Nutella oder Mascarpone, um das Brennen erträglicher zu machen. Kalte Milch oder Wasser neutralisieren die Schärfe des Capsaicins nicht, sie lindern den Schmerz nur im Moment des Kontakts. 


Basis-Rezept:
Chili, Paprika und andere Gemüse mit Schafskäse (vegetarisch)


Dies ist mein Chili-Gemüse-Rezept mit Nudeln/Pasta und Schafskäse. Achtung: Die Kombination aus scharfem Chili, Knoblauch und Nudeln wirkt sehr entspannend, wenn man die Portionen nicht bewusst kleinhält.

Zutaten für 2 bis 3 Personen

1 große Gemüsepaprikaschote
1/2 große Zucchini
1/2 große Aubergine
3 bis 4 mittelgroße Tomaten oder ersatzweise 1 Dose stückige Tomaten
2 Zehen Knoblauch
1-2 gehackte Frühlingszwiebeln
1 Stück Chili 'Fatalii', etwa die Größe eines Fingernagels, ohne Samen und Scheidewände
100 g guter Schafskäse (am besten Salakis natur)
1 Prise Zucker
Salz und Pfeffer
3-4 EL Olivenöl
350 g rohe Fussili, Bandnudeln oder andere Pasta.

Zubereitung:
  1. Topf mit Salzwasser für die Pasta aufsetzen. 
  2. Olivenöl in einer großen beschichteten Pfanne erwärmen, 
  3. während dessen Aubergine erst der Länge nach in grobe Scheiben und diese dann senkrecht in schmale Scheiben schneiden. 
  4. Auberginenscheiben in die Pfanne geben. 
  5. Sobald das Wasser kocht, die Pasta hinein geben und beim Elektroherd die Herdplatte herunterschalten. 
  6. Paprikaschote in kleine Streifen oder Stücke schneiden und in die Pfanne zu den Auberginen geben. 
  7. Zucchini in schmale Scheiben oder Würfel schneiden und ebenfalls zum Gemüse geben. 
  8. Die Prise Zucker über das Gemüse streuen.
  9. Gemüse unter gelegentlichem Rühren bei mittlerer Hitze braten. 
  10. Während dessen die Tomaten in kleine Stücke schneiden, den Knoblauch hacken und die Frühlingszwiebeln in Röllchen schneiden. 
  11. Die Tomaten zum Gemüse in die Pfanne geben, dann ein paar Minuten später auch Knoblauch und Frühlingszwiebeln.
  12. Wenn die Nudeln gar sind, werden sie in ein Sieb geschüttet und beiseite gestellt.
  13. Während das Gemüse weiterdünstet, den Chili vorsichtig ganz fein hacken. 
  14. Die Herdplatte abschalten und den Chili unter das Gemüse mischen. 
  15. Auch die Pasta kann man nun in die Pfanne geben. Sorgfältig umrühren und alles noch eine Minute oder zwei durchziehen lassen. 
  16. Den Schafskäse über das Gericht bröseln und untermischen.
  17. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Servieren.
Mit einem großen gemischten Salat dazu kann man im Sommer mit diesem Gericht auch 3 bis 4 Personen satt bekommen.

Rezeptabwandlung:
Tagliatelle mit Lachs, Paprika, Chili, Tomaten und Schafskäse


Zu besonderen Gelegenheiten ersetze ich die Auberginen und Zucchini durch Lachsfilet aus dem Tiefkühlfach und als Pasta verwende ich dann Tagliatelle (grüne und normale). Statt in Schritt 1 Auberginen anzubraten, brate ich zunächst den Lachs von beiden Seiten im Olivenöl an, wobei er auftaut. Schritt 7 fällt aus. Nachdem ich dann in Schritt 11 die Tomaten hinzugefügt habe, zerteile ich den Lachs mit dem Pfannenwender in Stücke. Alles andere wie im Basis-Rezept.

Mit Lachsfile wird das Gericht noch eiweißreicher und sättigender.

Mein Fazit zu 'Fatalii' beziehungsweise 'Habanero Fatalii':

Die Sorte eignet sich sehr gut für den Anbau im kleinen Kübel auf dem Balkon oder der Terrasse und im Essen tun die Schoten auch, was sie sollen.

Buchtipp zu Chili, Paprika & Co.:


Paprika & Chili erfolgreich anbauen*
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2017
ISBN: 3-8186-0071-6






Buchtipp zu Tomaten, Paprika und Chili:


Tomaten, Paprika & Co. für Garten und Balkon: *
Richtig anbauen und frisch genießen
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 16. Januar 2020
ISBN: 3-8186-1047-9





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Donnerstag, 14. Januar 2021

Gemüsesorten richtig auswählen

Aussaat SortenOb die Gemüseanzucht und die Arbeit im Gemüsebeet am Ende mit reicher Ernte belohnt wird, hängt nicht nur vom Boden, dem Wetter und der Pflege ab, sondern auch von der gewählten Gemüsesorte. Worauf man achten sollte, wenn man eine Gemüsesorte, beispielsweise eine Tomaten-, Gurken-, Feldsalat- oder Fenchelsorte, auswählt.

Freiland- oder Gewächshaussorte
Gemüsesorten für das Gewächshaus sind oft temperaturempfindlicher als Freilandsorten, beispielsweise eignen sich wärmebedürftige Schlangengurkensorten für das Gewächshaus meist nicht für das Freiland. 

Im Gewächshaus treten auch andere Krankheiten und Schädlinge auf als im Freiland, beispielsweise bei Kopfsalat und Tomaten, und die Sorten sind dementsprechend selektiert und gekennzeichnet. 
Im Gewächshaus werden auch teilweise andere Wuchsformen/Erziehungsmaßnahmen angewendet, beispielsweise werden im Erwerbsgartenbau Gurken, Tomaten, Paprika oder Auberginen im Gewächshaus ein- bis dreitriebig an Schnüren aufgeleitet, damit der teure Platz im Gewächshaus optimal genutzt wird - viele Gewächshaussorten sind entsprechend.


Frühsorte, Sommersorte oder Spätsorte
Bei manchen Pflanzen wird die Blütenbildung durch äußere Bedingungen (beispielsweise durch die Tageslänge und/oder niedrige oder hohe Temperaturen) ausgelöst. Wird ein Gemüse mit dieser "Veranlagung" zur falschen Zeit angebaut, dann werden keine Köpfe oder Knollen gebildet sondern Blüten - das nennt man "Schossen". Damit man diese Gemüse trotzdem anbauen kann, wurden über Auslese Sorten gezüchtet, die dieses Verhalten nicht haben. Die zur Jahreszeit passende Sorte zu wählen ist beispielsweise bei Fenchel, Kopfsalat und Rettich wichtig.

Gemüse im Beet
Vielfalt durch Mischkultur im Gemüsebeet
Robustheit
Die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen kann ein wichtiges Auswahlkriterium sein. Wer beispielsweise Tomaten im Freiland ohne Überdachung anbauen will und in den Jahren davor schon mehrmals Probleme mit der Kraut- und Braunfäule-Krankheit hatte, sollte es vielleicht einmal mit einer robusten Tomatensorte probieren (und/oder seine Tomaten in Zukunft überdachen, an einem anderen Standort und/oder im Pflanzbehälter statt im gewachsenen Boden anbauen).

Frosthärte
Die Frosthärte spielt bei frühen, späten und überwinternden Sorten eine besondere Rolle. Beispielsweise ist nicht jede Feldsalat- oder Spinatsorte an jedem klimatischen Standort winterhart - beispielsweise ist die Feldsalatsorte "Holländischer Breitblättriger" in Bayern und anderen Regionen mit härterem Winter nicht zur Überwinterung geeignet.

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Vorlieben und Verwendung
Der eine mag seinen Feldsalat kleinblättrig, der andere breitblättrig in dicken Rosetten. Der eine mag seine Cocktailtomaten süß, der andere bevorzugt einen "normalen" Tomatengeschmack. Dem einen ist wichtig, dass die Tomaten lange lagerbar sind, den anderen stört eine feste Schale - er möchte in seinem Garten dünnschalige Sorten für den sofortigen Verzehr oder die Verarbeitung ernten.

Sorten zur Saatgutgewinnung
Wer nicht nur Gemüse, sondern auch Samen (für die Aussaat im nächsten Jahr) ernten möchte, der sollte samenechte Sorten wählen - zumindest wenn er/sie möchte, dass die Pflanzen aus den gewonnenen Samen die gleichen Eigenschaften wie die Eltern haben und einheitlich sind.
Zwar kann man auch Samen aus Hybridsorten aussäen, aber die Pflanzen aus diesen Samen sind nicht einheitlich, sondern alle verschieden. Das liegt daran, dass sich die Eigenschaften der beiden Elternlinien, die für die Gewinnung des Hybridsaatguts kombiniert wurden, in der nächsten Generation wieder aufspalten - und zwar in alle möglichen Eigenschaftenkombinationen. So ist jede Nachkommenpflanze anders als die andere - das kann aber für Hobbygärtner auch sehr spannend sein, beispielsweise für eigene Kreuzungsversuche.

Ablehnen bestimmter Züchter
Wer Sorten bestimmter Züchter vermeiden will, kann die Züchter fast aller Sorten in einer EU-Datenbank abfragen. Hier steht, wie es geht: Monsanto als ungebetener Gast im Garten (mit Anleitung).

Öko-/Bio-Kriterien
Wer Wert auf ökologisch zertifiziertes Saatgut legt, wird Saatgut kaufen, das nach den Richtlinien der Anbauverbände von Demeter oder Bioland angebaut wurde. Man erhält ökologische Saaten beispielsweise über Bingenheimer Saatgut oder Dreschflegel Bio-Saatgut.


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