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Donnerstag, 13. Juni 2024

Stangenbohne 'Blauhilde' bietet Sichtschutz, Sonnenschutz und leckere Ernten - auch auf Balkon und Terrasse

Wer wenig Platz hat, beispielsweise der Gärtnerleidenschaft nur auf der Terrasse oder dem Balkon frönen kann, muss sich etwas einfallen lassen. Die samenechte Stangenbohne 'Blauhilde' wächst auch im Kübel oder Pflanzgefäß schnell zu einem Sichtschutz oder grünen Schattenspender heran und dann lassen sich von ihr auch noch leckere Bohnen ernten – fast ohne Bücken. (zuletzt bearbeitet 13.06.2024)

Wer eine Pflanze sucht, die wenig Standfläche benötigt, findet in der Stangenbohne 'Blauhilde'* die Lösung: Dieser Linkswinder wächst sehr schnell über zwei Meter hoch - und dazu reicht ihm auch ein Terrakottakübel oder ein anderes Pflanzgefäß und eine Kletterhilfe, beispielsweise ein Rankgitter.

Aussäen kann man sie von Anfang Mai bis Ende Juni. Die Ernte beginnt etwa im August und dauert ungefähr bis Mitte Oktober. Die rosavioletten Blüten sind sehr niedlich. Aus ihnen werden attraktive blauschwarze Bohnen, die später beim Kochen grün werden und sehr gut schmecken.

Meine Stangenbohnenpflanzen der Sorte 'Blauhilde' teilen sich dieses Jahr einen Kübel mit zwei Zucchinipflanzen der Sorte 'Atena Polka' F1

Stangenbohnen gehören genauso wie die niedrig bleibenden Buschbohnen zu den Gartenbohnen Phaseolus vulgaris, die wiederum der Familie der Hülsenfrüchtler und der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler angehören. Bohnen spielen seit Jahrtausenden in der Ernährung eine wichtige Rolle, vor allem die reifen, trocknen Bohnen als Eiweißlieferanten. Die ältesten Funde der Gartenbohne stammen aus einer Höhle in Peru und werden auf 6000 v. Chr. datiert.

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Der Vorteil von Stangenbohnen gegenüber Buschbohnen: Sie benötigen weniger Standfläche und man muss sich zum Ernten kaum bücken – ein Segen für Rückengeplagte.

An der niedlichen Blüte der 'Blauhilde' erkennt man die Zugehörigkeit zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler
Die Hülsen der 'Blauhilde' zeigen die Zugehörigkeit zur Familie der Hülsenfrüchtler (Leguminosen). Die Hülsen dieser Sorte werden unreif geerntet, gekocht und beispielsweise als Bohnengemüse, Bohnensalat oder als Grüner-Bohneneintopf geliebt.

Wichtig zu wissen: Bohnen darf man nicht roh essen, da das enthaltene giftige Phaseolin nur durch Kochen (Erhitzen über 70 °C) zerstört wird.

Stangenbohnen und andere Gartenbohnen sind nicht winterhart, sondern einjährige, krautige Pflanzen, die man im nächsten Jahr wieder neu säen muss, wenn man sie wieder als Sichtschutz oder zum Beernten haben möchte.

Wie sich die Stangenbohne 'Blauhilde'* mit Mitbewohnern im Kübel verträgt

Ich habe die 'Blauhilde' aus Platzmangel in den letzten Jahren mit anderen Pflanzen zusammen in einen großen Kübel gesät. Hier ein paar Beobachtungen, die ich auf meiner heißen und trockenen Terrasse gemacht habe:

2014 stand die Stangenbohne 'Blauhilde' mit einer kalifornischen Buschtomate 'Maglia Rosa' sowie Kapuzinerkresse in einem Kübel. Die Stangenbohne hatte ich am 19. Mai ausgesät. Schon 11 Wochen später konnte ich die ersten Bohnen ernten. Mein Eindruck war, dass die drei Pflanzenarten gut miteinander harmonierten. Allerdings habe ich der Tomate bei extremem Sommerwetter über Mittag gelegentlich einen Sonnenschirm aufgespannt, da diese Sorte zarte Blätter hat und höhere Luftfeuchtigkeit gewohnt ist, als das Wüstenklima auf meiner Terrasse im Hochsommer hergibt.

Die drei waren ein gutes Team: Stangenbohne 'Blauhilde', Tomate 'Maglia Rosa' und Kapuzinerkresse
2015 habe ich die Stangenbohne 'Blauhilde' mit einer anderen Tomate, der 'Tigerella', kombiniert. Beider Samen habe ich am 20.4.2015 gelegt. Erste Bohnen konnte ich bereits am 18.7.2015 ernten. Auch diese Kombination passte. Später im Sommer bekam die Stangenbohne jedoch Spinnmilben (die mögen trockenes Klima) und sah dann nicht mehr so schön aus, da ich nichts dagegen unternommen habe.

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2017 habe ich die restlichen 'Blauhilde'-Samen (Saatgut gekauft im Frühjahr 2014, es war immer noch sehr gut keimfähig) zusammen mit Zucchinisamen am 17.5.2017 in einen Kübel gesät, siehe Bild ganz oben. Die ersten Bohnen habe ich am 23.7.2017 geerntet.

Interessante Beobachtungen bisher: Zuerst hatten die Zucchinipflanzen die Vormacht im Kübel, sie entwickelten rasend schnell riesige Blätter und viele Zucchini-Blüten und –Vorfrüchte. Doch nach der ersten Zucchiniernte (Mitte Juli) schlug das Kräfteverhältnis um: Die Bohnen gruben den zwei Zucchinipflanzen zunehmend Nährstoffe und Wasser ab, sie explodierten förmlich und trugen sehr viele Bohnen, während die Zucchinipflanzen langsamer wurden. Schon 2015, als ich die runde Zucchinisorte 'Floridor' mit einer Süßkartoffel kombiniert habe, war mein Eindruck, dass sich die so kräftig wirkenden Zucchinis in einer Konkurrenzsituation und bei schwierigen Verhältnissen wie trockener Hitze auf einer Terrasse nicht gut durchsetzen können – sie sind anscheinend keine Kämpfer, im Gegensatz zur Stangenbohne 'Blauhilde'. Man muss den Zucchini also entweder einen eigenen Kübel beziehungsweise einen Platz im Beet geben oder immer hinterher sein und darauf achten, dass sie bei Konkurrenz genug Wasser und Nährstoffe abbekommen. Die Konkurrenzkraft der Bohnen dürfte auf die starke Wurzelverzweigung von Leguminosen zurückzuführen sein. Dies schützt sie vor kurzzeitiger Trockenheit. Außerdem werden an ihren Seitenwurzeln von Knöllchenbakterien so genannte Wurzelknöllchen gebildet, die Stickstoff aus der Luft fixieren können. Auch das ist ein Vorteil gegenüber Konkurrenten – und eine Eigenschaft, die Leguminosen zu sehr guten Vorfrüchten/Gründüngungspflanzen macht.

Die Stangenbohne 'Blauhilde' bringt nicht nur frisches Grün, hübsche Blüten und dunkle Bohnen auf die Terrasse, sie verringert – wenn wie hier gewünscht - auch den Sonneneinfall durchs Fenster und damit die Hitze in der Wohnung.

Stangenbohne 'Blauhilde'* ernten, kochen (!) und genießen

Der erste Bohnen-Erntetag war bei mir der 23.7.2017. Eine Woche danach konnte ich noch einmal so viele ernten. Vorsicht: Bohnen sind kein „Naschgemüse“, das man pflückt und in den Mund steckt. Bohnen müssen vor dem Verzehr gekocht werden!
Meine knackig frischen, blauen Bohnen wurden in Salzwasser gekocht, wobei sie sich, wie erwartet, grün färbten, und wurden dann weiter zubereitet. Sie waren aromatisch und völlig fadenlos! Ein Genuss.

Rezepte für Bohnen gibt es viele: Man kann sie typisch deutsch mit Zwiebeln, Butter und Bohnenkraut als Beilage zubereiten oder griechisch in einer Olivenöl-Tomatensoße mit Petersilie (noch besser schmeckt es mir mit Dill) kochen und mit ein paar Scheiben Baguette genießen.

Die ursprünglich blauen Bohnen wurden nach dem Kochen in Wasser in der Pfanne mit Olivenöl, Knoblauch und Tomaten geschmort, mit Salz, Pfeffer und Dill abgeschmeckt, auf Brot angerichtet und mit Schafskäse serviert.

Ein anderes Rezept (Quelle weiß ich nicht mehr) schlägt vor, die Bohnen in einem Sud mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und eventuell anderen Gewürzen zu kochen, in Speck einzuwickeln und im Ofen zu backen.

Man kann aber auch die eigene Fantasie spielen lassen und beispielsweise die Bohnen mit Champignons zusammen in einer Thymian-Sahnesoße zubereiten und mit Pasta anrichten. Guten Appetit!

Nachtrag:
Die letzten Bohnen der 'Blauhilde' habe ich am 14. September geerntet. Beim Schnippeln musste ich bei den größeren einige Fäden ziehen, nach dem Kochen waren sie aber alle wieder wunderbar zart (und natürlich grün). Ich habe sie nach dem Weichkochen mit einer Art Béchamelsoße zubereitet (Mehlschwitze mit Gemüsebrühe und Kaffeesahne abgelöscht und noch einmal aufgekocht). Dazu gab es Lachs (nur in Butter und Zitronensaft in der Pfanne gebraten, gesalzen und gepfeffert) sowie Kartoffelstampf. KÖSTLICH! Ein Gericht, mit dem man sicher auch Gäste überzeugen kann.

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Buchtipp in eigener Sache

Wie das Gärtnern in Töpfen, Kübeln und anderen Pflanzgefäßen auf Balkon, (Dach-)Terrasse, im Garten und anderswo ganz nach individuellem Geschmack und Vorlieben funktioniert, habe ich anfängergerecht in diesem Buch beschrieben.
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Montag, 7. August 2023

Gemüsegarten für Anfänger - 10 Tipps für angehende Selbstversorger

Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Anbau schmecken am besten: Man kann die Sorten anbauen, die man am liebsten mag, und man kann ganz nach Bedarf ernten - aus dem Garten frisch auf den Tisch. Und egal, ob man aus Interesse an Natur und Pflanzen oder aus politischer Motivation Selbstversorger werden möchte, macht der Anbau auch noch Spaß und tut der Seele gut. (zuletzt aktualisiert am 7.8.2023)


Mit gemischten Bepflanzungen lässt sich der Platz im Beet oder Pflanzgefäß besser ausnutzen. Außerdem beeinflussen sich manche Pflanzenarten gegenseitig positiv.

Neugärtner, die noch nie Gemüse oder Kräuter angebaut haben, sind möglicherweise ein wenig unsicher, wie sie anfangen und was sie bedenken sollten. Mit diesen Tipps sind sie gut vorbereitet.

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Übrigens: Auch wer keinen eigenen Garten hat, kann Selbstversorger sein und auf Mietparzellen (sie werden von (Bio-)Landwirten zur Miete für eine Gartensaison angeboten), im Gemeinschaftsgarten (den haben manche Gemeinden, Siedlungen, Hausgemeinschaften, Vereine zur Integration etc.), im gepachtetem Kleingarten (langjährige Pacht eines Grundstückes in einer Kleingartenanlage) oder im Topfgarten (auf dem Balkon, der (Dach-)Terrasse, auf der Fensterbank oder im Hinterhof) Gemüse anbauen - wobei das Wort Topf in Topfgarten für jede Art von Pflanzgefäß steht, also auch für Kübel, Blumenkästen, große oder kleine bepflanzbare Säcke mit Erde, Tischbeete und vieles mehr.

Gemüse im Kübel: Gesäte Salatrauke und Pflücksalat 'Baby Leaf' unter der gepflanzten Tomate 'Corazon'

Gemüseanbau für Einsteiger - die 10 besten Tipps

  1. Die meisten Gemüse lieben Licht
    Geben Sie dem Gemüsebeet einen sonnigen, offenen Platz im Garten. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl des Standortes auch den Sonnenlauf, damit bei tiefer stehender Sonne im Spätsommer das Beet nicht beschattet wird, denn das würde die Gartensaison verkürzen. Wer keinen (fast) ganztägig sonnigen Standort im Garten hat, kann Gemüse und Kräuter für den Schatten anbauen - die Auswahl ist aber kleiner.
  2. Bodenpflege ist die Grundlage für gute Ernten
    Der Boden bietet den Pflanzen nicht nur Halt, sondern bevorratet Wasser und Nährstoffe. In einem ökologisch und nachhaltig bewirtschafteten Boden mit viel Humus hat man eine große Artenvielfalt an kleinen und großen Bodenorganismen. Das erhält die Krümelstruktur des Bodens, die Bodenfruchtbarkeit und die zahlreichen Bodenlebewesen arbeiten mit den Wurzeln zusammen, so dass die Pflanzen besser versorgt werde. Zur Bodenpflege gehören beispielsweise
    • Eine regelmäßige Kompostausbringung (Kompost aus den eigenen Gartenabfällen erzeugt, ersatzweise am Anfang gekaufter Grüngut-Kompost, Rindenhumus, kompostierter Mist und/oder organische Dünger),
    • Gründüngung
    • sowie schonende Bodenbearbeitung (kein Umgraben mit Bodenwenden, sondern nur Lockerung mit einem Sauzahn o. Ä.).
    Mit der Kompostierung von Gartenabfällen sorgt man außerdem für einen Stoffkreislauf, so dass keine wertvollen Nährstoffe verloren gehen, sondern als Dünger und Bodenverbesserer zurückgeführt werden.
  3. Sonderplätze für wärmeliebende Gemüse
    Tomaten, Auberginen und Paprika stehen gerne warm und vor Regen geschützt. Reservieren Sie ihnen einen Platz vor einer nach Süden gerichteten Hauswand oder unter einem Regendach. Sie kommen erst nach den Eisheiligen ins Freie und können in ein Beet, in Erdesäcke oder in große Kübel gepflanzt werden. 

    Ein Dach bietet Schutz vor Regen und (je nach Material) bis zu einem gewissen Grad vor Hagel. Gewächshäuser und Tomatendächer gibt es als Bausätze im Handel, aber man kann auch improvisieren. Dieses DIY-Tomatendach stand bei einem unserer Nachbarn und die Tomatenpflanzen darunter waren gesund und trugen reichlich Früchte. 
  4. Beet oder Hochbeet
    Gemüse und Kräuter kann man in den normalen Gartenboden, in ein leicht erhöhtes oder in ein "richtiges" Hochbeet säen oder als vorgezogene Jungpflanzen auspflanzen. Wichtig ist, dass zumindest der oberste Boden eine Krume hat und frei von Unkraut ist, bevor man sät oder pflanzt (Ausnahme: Beetanlage nach der No-Dig-Methode von Charles Dowding ohne Umgraben, siehe auch besser Gärtnern ohne Umgraben?).

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    Ein "richtiges" hohes Hochbeet (etwa 80 bis 100 cm hoch) hat mehrere Vorteile gegenüber dem normalen Gartenbeet oder nur den wenige Zentimeter erhöhten Beete: Man kann im Hochbeet unter der obersten Erdschicht Pflanzenabfälle kompostieren. Die Wärme der Kompostierung kurbelt das Pflanzenwachstum an. Gerade wer sich nicht so gut bücken kann, hat es beim Anbau im Hochbeet leichter.
  5. Anbau in Mischkultur
    Bewährte Mischkultur-Kombinationen in Reihen nebeneinander sind beispielsweise: gesäte Möhren neben Steckzwiebeln oder Porree, gepflanzter Kopfsalat oder gesäter Schnittsalat neben Steckzwiebeln.
  6. Platzansprüche und Unterstützung
    Manche Gemüse haben einen hohen Platzbedarf, beispielsweise Zucchini und Kürbis. Auf den Saatguttüten und in den Beschreibungen auf den Etiketten von Jungpflanzen findet man Angaben zum empfohlenen Pflanzenabstand in der Reihe und von Reihe zu Reihe für die spezielle Sorte. Bei Pflanzen, die einen hohen Platzbedarf haben, dauert es oft eine ganze Zeit bis die Fläche bedeckt ist, da lohnt sich die Untersaat von Schnittsalat, Kresse, Radieschen und anderen schnell wachsenden Gemüsen.

    Manche Gemüse wollen hoch hinaus. Da sie sich nicht alleine tragen können und/oder windbruchgefährdet sind, gibt man ihnen Stützen. Zu diesen Gemüsearten und Sorten gehören: hochwachsende Tomaten ("Stabtomaten"), Auberginen, Stangenbohnen, manche Paprika- und Chilisorten, wenn man sie nur ein- oder zweitriebig zieht, sowie Melonen. Als Stützen werden Stäbe, Spiralstäbe oder Rankgitter genutzt. Man kann auch ein Gerüst mit einer Querstrebe oben bauen und die Pflanzen an Schnüren nach oben leiten.

  7. Gemüse und Kräuter vor Schnecken schützen
    Manche pflanzenfressenden Schnecken (vorwiegend so genannte Wegschnecken) wissen auch, was gut ist: frische, zarte Jungpflanzen. Tagsüber verstecken sie sich gerne in der Umgebung vor Sonne und Wind, aber bei trübem Wetter oder in der Nacht gehen sie dann auf Beutezug. Die beste Vorbeugung gegen diese Überfälle: keine "Blätter-Wildnis" in der unmittelbaren Umgebung des Gemüsebeets, Schnecken regelmäßig unter Brettern und Steinen absuchen, gleich nach der Keimung oder der Pflanzung ein umweltverträgliches Schneckenmittel, beispielsweise auf Basis von Eisen (Eisen-III-phosphat, kommt auch natürlich vor) streuen, die Zuwanderung durch schneckensichere Beetumrandungen verhindern und andere umweltfreundliche Maßnahmen gegen Schnecken.
  8. Mulchen im Gemüsegarten
    Unter Mulchen versteht man das Bedeckthalten des Bodens. Nimmt man organisches Material zum Mulchen wie beispielsweise Stroh oder Laub, dann verschwindet der Mulch mit zunehmender Zersetzung und wird zu einem Teil des Bodens, dem Humus. Einen Mulcheffekt kann man auch durch Gründüngung und Untersaaten/Unterpflanzungen von Kresse, Radieschen, Schnittsalat und Kräutern zwischen großen Gemüsen mit langer Kulturzeit erzielen.

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    Vorteile des Mulchens:
    Die Bodenbedeckung unterdrückt das Keimen von Unkrautsamen - das erspart das Unkrautziehen und Unkrauthacken. Die Bodenbedeckung hält den Boden feucht und fördert so das Bodenleben - dadurch wird der Boden lockerer und krümeliger. Mulch schützt den Boden vor Verschlämmung bei starken Regenfällen.
    Mulch kann aber Nachteile haben: Der Boden trocknet im Frühjahr schlechter ab, die Bedeckung bietet schattige, feuchte Verstecke für Schnecken und die Zersetzung von organischem Mulch bindet Stickstoff (weil sich die zersetzenden Mikroorganismen vermehren). Deshalb: Mulchen ist kein Allheilmittel. Auf schwerem oder undurchlässigen Boden sollte im Frühjahr erst mit dem Mulchen begonnen werden, wenn der Boden abgetrocknet ist und die Pflanzen gut angewachsen sind. Mulchen sollte man nur, wenn keine Gefahr durch Schnecken besteht, die sich unter dem Mulch verstecken könnten. Die Stickstoffbindung kann über Hornspäne oder einem anderen organischen Stickstoffdünger ausgeglichen werden. Mehr über Mulchen im Garten.

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  9. Bewässerung und Düngung
    Wasser und Nährstoffe werden im Boden gespeichert und an die Pflanzen abgegeben. Der Vorrat ist abhängig von der Bodenkörnung und vor allem vom Humusgehalt - weswegen die Bodenpflege so wichtig ist. Wer in seinem Garten keinen Wasseranschluss hat, sollte Dry Farming betreiben - das erfordert jedoch eine gute Vorbereitung (trockenresistente Sorten, tiefere Saat etc.). Ansonsten lässt sich Wasser sparen, indem man nicht die Pflanze überbraust, sondern in den Wurzelbereich gießt. Als Grunddüngung reicht normalerweise der Kompost (oder ersatzweise Rindenhumus), mittel- und stark zehrende Gemüse erhalten aber noch ein bis mehrere Gaben von organischem Dünger.
  10. Nützlinge im Garten fördern
    Lassen Sie sich von den natürlichen Feinden der Schnecken, Blattläuse und anderer Schädlinge helfen. Fördern Sie Nützlinge, indem Sie keine Pestizide spritzen, Nützlinge anlocken (Blühpflanzen locken beispielsweise Schwebfliegen an, deren Larven sehr räuberisch sind) und bieten Sie Überwinterungsplätze (Laubhaufen oder Igelhöhlen für Igel, Insektenhotels für die kleinen Fluggäste) und Nistplätze für Vögel und Fledermäuse, damit die im Sommer Blattläuse, Mücken etc. picken/fangen.

Anfängern empfehle ich, nur schnell keimende Gemüse direkt ins Beet zu säen, beispielsweise Radieschen, Pflücksalat, Salatrauke oder Gartenkresse. Ansonsten kauft man im ersten Jahr Steckzwiebeln und die ersten Jungpflanzen beim (Bio-)Gärtner - dann ist der Erfolg sicherer. Die eigene Jungpflanzenanzucht kann man parallel dazu aber in Töpfen und Kisten ausprobieren und die eigenen Jungpflanzen dann ebenfalls auspflanzen.

Bei jeder Aussaat und Pflanzung daran denken: Steckschildchen mit Sortennamen und Datum beschriften und vor die Pflanzenreihe stecken. Danach sorgfältig angießen – am besten mit weicher Brause, damit der Boden nicht verschlämmt. Hilfreich ist es, die Aussaaten und Pflanzungen in einem Gärtnertagebuch festzuhalten (was man wann wohin gepflanzt hat), denn man sollte im nächsten Jahr zumindest die Hauptkultur (die lange Sommerbepflanzung) nicht an die gleiche Stelle pflanzen (außer man pflanzt in Gefäße mit frischer Erde).

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Fürchten Sie nicht, etwas falsch zu machen. Der Garten ist ein großes Experimentierfeld. Was bei dem einen funktioniert, klappt beim anderen weniger gut und umgekehrt. Und selbst wenn man alles richtig macht, kann ein Unwetter einen Strich durch die Rechnung machen. Doch von einigen Misserfolgen sollte man sich nicht entmutigen lassen: Vieles klappt schon von Anfang an und das ist eine wunderbare Erfahrung.

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Donnerstag, 1. Juni 2023

Zucchini brauchen Bestäubung, "Früchte" ohne Befruchtung werden abgestoßen.

Zucchinipflanzen haben männliche und weibliche Blüten. Nur aus bestäubten weiblichen Blüten entstehen bei erfolgreicher Befruchtung vollwertige Früchte. Bei Nichtbefruchtung fallen oder faulen die "Vorfrüchte" ab. Wie man für die Befruchtung sorgt und sich auf eine gute Ernte freuen kann. (letzte Bearbeitung 1.6.2023)

Bei manchen Gemüse- und Obstsorten kann man Fruchtbildung ohne Befruchtung (genannt Parthenokarpie) beobachten, beispielsweise bei Bananen, Ananas, Zitrusfrüchten oder Schlangengurkensorten. Andere müssen (Gartenbohnen) oder können sich auch selbst bestäuben und befruchten (Tomate, Paprika, Chili). Bei Zucchini (Cucurbita pepo, auch Zucchetto bzw. Zucchetti genannt) ist das anders: Sie müssen befruchtet werden, sie haben männliche und weibliche Blüten an einer Pflanze, werden aber am liebsten von den männlichen Blüten einer anderen Zucchinipflanze bestäubt und befruchtet. Zur Bestäubung brauchen sie Insekten. (Quelle: Das große Biogartenbuch, Andrea Heistinger, Verlag Eugen Ulmer*)

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Was bedeutet das für den Zucchinianbau im Garten oder im Kübel?
  • Man sollte mindestens zwei Zucchinipflanzen pflanzen beziehungsweise bei Direktsaat zwei gekeimte Pflanzen stehen lassen, damit die beiden Zucchinipflanzen sich gegenseitig bestäuben können und dabei jeweils eine Befruchtung stattfindet.

Bild 1: In diesem Kübel wachsen zwei Zucchinipflanzen der Sorte 'Atena Polka' F1 und Stangenbohnen 'Blauhilde'.
  • Man braucht männliche und weibliche Blüten, die gleichzeitig blühen.
    Die ersten Blüten, die eine Zucchinipflanze bildet, sind meist männliche Blüten. Meinen Beobachtungen zufolge neigen Zucchini auch dazu, bei Stress vor allem männliche Blüten zu bilden. Man sollte Zucchinipflanzen daher einen sonnig warmen Platz geben und Extreme bei der Wasser- und Nährstoffversorgung vermeiden.
  • Man benötigt Insekten.
    Sollten keine Insekten da sein, wenn die weiblichen Blüten bestäubt werden müssen, kann man notfalls/sicherheitshalber auch selbst Hand anlegen und den Pollen beispielsweise mit einem Haarpinsel oder Wattestäbchen von männlichen Blüten auf die Narben der weiblichen Blüten übertragen. Man kann auch die Staubfäden einer männlichen Blüte vorsichtig abtrennen und damit über die Narben in der Mitte der weiblichen Blüten streichen.

    Übrigens haben Wissenschaftler errechnet, dass bestäubende Insekten einen ökonomischen Wert von etwa 150 Milliarden Euro pro Jahr schaffen (Quelle: Pressemitteilung der Helmholtz-UFZ).

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Wie unterscheidet man bei Zucchini männliche und weibliche Blüten?

Eine weibliche Blüte kann theoretisch nur dann bestäubt werden, wenn gleichzeitig auch eine männliche Blüte blüht. Und nur wenn aus der Bestäubung auch eine Befruchtung hervorgeht, werden Früchte gebildet. Es ist also hilfreich, wenn man männliche und weibliche Blüten unterscheiden kann. Das ist ganz einfach:

  • Weibliche Blüten haben zwischen Stängel und den Blütenblättern (grüne Kelch- und gelbe Kronblätter) einen Fruchtknoten, der bereits wie eine kleine Frucht aussieht – manche nennen diesen unterständigen Fruchtknoten daher auch "Vorfrucht".
  • Männliche Blüten sitzen auf einem gleichmäßig dünnen Stängel. 

Bild 2: Auf der linken Seite sieht man oben eine weibliche Blüte – zu erkennen an der Verdickung des Fruchtknotens, der schon wie eine kleine Frucht aussieht, darunter eine männliche Blüte auf dem typischen dünnen Stiel der männlichen Blüten.

Was passiert, wenn eine weibliche Zucchiniblüte nicht befruchtet wird?

Bild 3: Die gelbe "Vorfrucht" (eigentlich der Fruchtknoten) sieht aus wie eine "Mini-Zucchini". Sie war schon da, bevor sich diese weibliche oder eine der zahlreichen männlichen Blüten öffneten.

Schon die erste weibliche Blüte sah aus, als säße sie auf einer Mini-Zucchinifrucht (siehe Bild 3), bevor sie oder andere Blüten geblüht haben. Etwa zwei Tage nach dem Foto öffnete sie ihre Blüte - zu der Zeit blühten immer noch keine der zahlreich vorhandenen männlichen Zucchiniblüten. Ich musste also davon ausgehen, dass die weibliche Blüte nicht befruchtet worden war - was bedeutete, dass sie entweder bald abfaulen oder abgestoßen werden würde. Doch die kleine Frucht wuchs weiter - wenn auch langsamer, was aber auch am Wetter gelegen haben kann. Ich halte es für möglich, dass sie vielleicht von Ameisen im Garten oder Käfern bestäubt und befruchtet worden war, bevor sich die männlichen Blüten im gleichen Kübel öffneten. Möglicherweise finden die kleinen Insekten einen Eingang in die älteren Knospen, und wenn die Pollen bereits reif und die Narben aufnahmebereit sind, wäre eine Befruchtung theoretisch möglich.

Als die Zucchinifrucht dann aber einen Knick und eine verschorfte Stelle bekam, habe ich sie sicherheitshalber abgeschnitten, damit sie ihre Nachfolger nicht ausbremst. Bei der ersten Frucht einer Pflanze sollte man nicht zu zimperlich sein und nicht ewig abwarten, ob noch etwas Beeindruckendes aus dem Fruchtansatz wird.

Bild 4: Meine erste Zucchini-Frucht/-Vorfrucht in diesem Jahr ist vor und nach der Blüte gewachsen, obwohl keine der männlichen Blüten vor, während oder nach ihrer Blütezeit geöffnet war. Als das Wachstum stockte, schnitt ich sie sicherheitshalber ab, um die Nachfolger nicht zu behindern. 
Es ist zwar nur eine Vermutung, dass diese erste weibliche Blüte von Ameisen oder Käfern befruchtet wurde, bevor die Blüten geöffnet waren – aber für mich trotzdem ein Grund mehr, auf eine Bekämpfung zu verzichten, wenn sich Ameisen vom Nektarduft oder Rapsglanzkäfer von der leuchtend gelben Blütenfarbe angezogen fühlen.

Inzwischen wurde die kleine Zucchini zusammen mit einer größeren grünen Schwester, Knoblauch, Tomaten, Basilikum, weitere Kräuter und Gewürze sowie Mozzarella zu einer feinen Nudelsoße verarbeitet.

Andere Gründe als fehlende Befruchtung für das Abstoßen von Zucchinifrüchten

Es gibt aber auch andere Gründe für das Abstoßen oder Absterben von Früchten der Zucchini, beispielsweise
  1. wenn zu viele Früchte auf einmal gebildet werden, 
  2. wenn die Wasser- und Nährstoffversorgung nicht ausreichend ist oder 
  3. wenn wegen Transpirationsmangel nach einem Wetterumschwung der Wasserstrom und damit auch der Kalziumtransport gestört ist.
2. und 3. können zur so genannten Blütenendfäule führen, bei der die Fruchtspitze (auf der dem Fruchtstiel gegenüberliegenden Seite) dunkel wird, einsinkt und/oder fault.

Weitere Tipps und Informationen zu Zucchini

Wenn die Früchte/Fruchtknoten an den befruchteten, weiblichen Blüten zu wachsen beginnen, kann man die verwelkten Blütenblätterreste vorsichtig abzupfen, da sich darauf bei feuchtem Kleinklima Pilzkrankheiten ansiedeln können, die im ungünstigsten Fall dann auch die Frucht befallen.

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Zucchini, die bitter schmecken, sollten nicht verzehrt werden – sie können von einer ungeeigneten Kürbis- oder Zucchinipflanze befruchtet worden sein. Die Bitterstoffe werden durch Kochen nicht unwirksam – sie können den Magen und die Darmschleimhaut angreifen.

Mein Zucchini-Saatgut stammte aus dem Plant Theatre Funky Veg Kit, das ich von einem Freund geschenkt bekam. Es ist die Sorte 'Atena Polka' F1-Hybride. Ausgesät habe ich die Zucchini am 17. Mai direkt in den Kübel. Obwohl das Saatgut mehrere Jahre alt war, ist es sehr gut gekeimt – ich habe aber nur zwei Zucchinipflanzen stehen lassen.
Es gibt nicht nur längliche, sondern auch runde Zucchinisorten (siehe auch Zucchinisorten* bei Amazon.de).
Hier teste ich die Sorte 'Floridor', eine F1-Hybride, in einem sehr großen Kübel, der im Inneren eine "Komposthaufen-Schicht" hat.

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86 Farbfotos, 3 Farbzeichungen, 17 Tabellen
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Samstag, 18. Februar 2023

Frühe Gemüse im Kleingewächshaus

Kohlrabi und Salat kann man schon (bald)
ins ungeheizte Gewächshaus pflanzen
Auch im ungeheizten Gewächshaus kann man Ende Februar/Anfang März schon säen und pflanzen (in Gegenden mit mildem Klima oder in milden Jahren oft schon früher). Für die Jungpflanzenanzucht von wärmeliebenden Sommergemüsen benötigt man allerdings ein warmes Gewächshaus oder einen anderen Platz mit Licht und Wärme. (zuletzt aktualisiert Februar 2023)

Ein Kleingewächshaus ist ein vergleichsweise kleines Gewächshaus im Hausgarten, der Kleingartenanlage, auf dem Balkon, dem Dach oder sonstwo zur (hobby-)gärtnerischen Nutzung. Was man mit einem Kleingewächshaus ab Ende Februar/Anfang März schon alles anstellen kann, hängt vom örtlichen Klima (Höhenlage, Berg-, Meer- oder Flussnähe, dem regionalen Wetterverlauf des aktuellen Jahres) und dem Gewächshaus selbst (Eindeckungsmaterial, Isolierung etc.) sowie seiner Technikausstattung/Klimatisierung (Temperatureinstellung durch Heizen und Lüften) ab.

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Alle empfohlenen Aussaat- und Pflanztermine auf Samenpackungen, in Büchern und in Gartenblogs sind unter diesem Vorbehalt zu sehen. Wer im Weinbauklima wohnt darf in der Regel früher beginnen als jemand an den Alpen - außer die Wetterkapriolen des Jahres bringen alles durcheinander.

Am gebräuchlichsten sind bei uns einfache, ungeheizte Kleingewächshäuser wie begehbare Folientunnel, einfache Glashäuser und Stegdoppelplatten-Gewächshäuser – nicht zuletzt, weil sie in der Anschaffung günstiger sind und auch keine Heizenergie verbrauchen. In diesen Gewächshäusern ist es bei geschlossener Lüftung nachts nur wenige Grad wärmer als draußen. Tagsüber kann es an sonnigen Tagen wegen des Treibhauseffekts aber bereits schön warm werden, weshalb die Gemüse recht zügig wachsen, - manchmal wird es sogar zu warm, wenn man nicht rechtzeitig lüftet (!).

Gemüse-Frühjahrsanbau im Gewächshaus

In manchen dieser einfachen, unbeheizten Gewächshäusern stehen noch überwinterte Gemüse wie Feldsalat und Spinat, die im vergangenen Herbst ausgesät oder gepflanzt wurden – die Beete können jetzt an frostfreien Tagen nach und nach abgeerntet werden.

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Ab Mitte oder Ende Februar beginnt man im unbeheizten Gewächshaus mit der Vorbereitung des Bodens für die Frühjahreskulturen, damit man ab Ende Februar/Anfang März die ersten Gemüse pflanzen kann, beispielsweise vorgezogenen Kohlrabi, Rettich, Radies, Kopfsalat oder Eissalat. Diese frühen Pflanzgemüse sind bis circa Ende April/Anfang Mai abgeerntet und machen dann Platz für die Pflanzung der Hauptkulturen, die über den Sommer stehen, wie Tomaten, Auberginen, Chili, Paprika und Gurken.

Nachts und bei Kälteeinbruch kann man die Pflanzen mit ein oder zwei Lagen Vlies schützen. Wenn möglich, entfernt man tagsüber eine Vliesauflage. Statt der zweiten Vliesauflage kann man nachts auch Zeitungspapier auflegen.


Im April geht es langsam in den Endspurt. Die Frühgemüse sollen spätestens Mitte Mai für Sommergemüse wie Tomaten Platz machen.


Kopfsalat, Eissalat, Schnittsalat, Pflücksalat?

Kopfsalat ist ein Gartensalat (Lactuca sativa), der einen festen Kopf bildet, den man auch nur als ganzen Kopf ernten kann. Der Eissalat ist praktisch die knackige Version (Crisphead Group) davon. Bei Schnittsalat und Pflücksalat sitzen die Blätter lockerer beieinander. Dennoch wird der Schnittsalat auf einmal, sprich mit einem Schnitt, geerntet. Der Pflücksalat wird dagegen nach und nach gepflückt, immer nur die äußeren Blätter - wenn man regelmäßig erntet und das Herz unverletzt lässt, kann man vom Pflücksalat monatelang frische Salatblätter ernten, ohne neu pflanzen zu müssen. Der Vorläufer des Eissalates, der Bataviasalat, bildet keinen festen Kopf und kann als Schnitt- oder Pflücksalat geerntet werden.


Die ersten Sätze der gepflanzten Frühgemüse schützt man zu Anfang mit ein (tagsüber) bis zwei (nachts) Lagen Vlies. Nachts kann man sie zusätzlich auch mit Zeitungspapier oder Stroh abdecken, wenn tiefe Minusgrade vorhergesagt werden – oder man deckt das ganze Gewächshaus mit Strohmatten zu. Wenn es frostfrei ist, sollte tagsüber rechtzeitig gelüftet werden, um die Temperaturschwankungen in Grenzen zu halten.

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Statt vorgezogene Pflanzen ins Gewächshaus oder Frühbeet zu setzen, kann man ab Ende Februar/Anfang März einige Gemüse auch direkt ins Beet aussäen, beispielsweise Spinat, Kresse, Radieschen, Rukola, frühe Erbsen etc. An Ort und Stelle gesäte Radieschen sind natürlich später erntereif als vorgezogene Radieschen, die zum gleichen Termin ausgepflanzt werden.

TIPP: Wichtig beim Frühjahrsanbau sind die richtigen Gemüsesorten: Für den Anbau im Frühjahr wählt man man frühe Sorten, bei Radieschen beispielsweise 'Saxa 3' oder 'Lucia F1', bei Kohlrabi beispielsweise 'Blaro' oder 'Noriko'.

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Gemüse-Anzucht im Gewächshaus

Gemüseaussaaten im warmen Gewächshaus
Wer ein warmes Gewächshaus hat (oder zumindest in einer Anzuchtskabine oder auf der Fensterbank etwa 20 bis 25 Grad Celsius halten kann), der kann sein Gewächshaus auch für die Aussaat und Jungpflanzenanzucht nutzen.

Ab Februar werden langsam wachsende Chili und Paprikasorten sowie Auberginen für die Pflanzung Ende April ins Gewächshaus ausgesät. Ab Mitte März können die ersten Tomaten ausgesät werden.

Nach der Keimung der Samen werden die Pflanzen vereinzelt und etwas kühler gestellt. Die Jungpflanzenphase dauert bis Ende April/Anfang Mai - dann werden die Pflanzen ins Gewächshaus oder ein geschlossenes Tomatenhaus gepflanzt. Tomaten für das Freiland oder für die Pflanzung unter ein reines Regenschutzdach sät man erst ab Ende März aus.

Meine Bücher zum Thema


Neben der Gewächshaustechnik und allgemeinem Gärtnerwissen sind Gemüse und Kräuter ein Schwerpunkt bei den Nutzungsarten im BuchDas Kleingewächshaus - Technik und Nutzung*, aber es wird auch gezeigt, wie im Gewächshaus Kübelpflanzen überwintert, Kakteen, Palmen, Farne, Tropenpflanzen und exotische Früchte kultiviert werden und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.


Gartenbuch Kleingewächshaus Schumann Milicka - Werbelink Das KleingewächshausTechnik und Nutzung
Eva Schumann/Gerhard Milicka 
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 5. Auflage (2019)
gebundenes Buch, 319 Seiten
158 Farbfotos, 68 farbige Zeichnungen, 35 Tabellen
ISBN 3-8186-0822-9
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Wer sich nur für Gemüse und Kräuter interessiert:


Gewächshausbuch Eva Schumann Werbelink Gewächshaus und Frühbeet*
erfolgreich nutzen für den eigenen Gemüseanbau
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart: 1. Auflage (22. Juni 2017)
Taschenbuch, ca. 128 Seiten
ISBN 3-8186-0947-0



Gartenbuch Eva Schumann Werbelink Gewächshaus und Frühbeet Monat für Monat: säen – pflanzen – pflegen –ernten.
Der beste Zeitpunkt für jeden Handgriff
* (Arbeitskalender Gemüse- und Kräuteranbau, einschließlich Erdbeeren verfrühen)
Eva Schumann
Ulmer Verlag, Stuttgart (13. Januar 2022)
ISBN 3-8186-1415-6
-> Online-Bestellung*


  • Buchabbildungen und mit Asterisk (*) gekennzeichnete Links sind Werbelinks, oft zu Amazon.de. Alle Bücher können jedoch auch beim Verlag sowie im örtlichen Buchhandel gekauft werden.

Hinweis: Die in diesem Gartenblog genannten Aussaat- und Pflfanztermine orientieren sich am Klima in Freising/Oberbayern. Sie passen für Standorte mit ähnlichen Winterbedingungen wie Dresden und Erfurt. An Standorten mit milderen Wintern wie Aachen, Köln, Frankfurt, Helgoland kann in der Regel früher mit dem Anbau begonnen werden. (Klimadaten siehe Spiegel Wissenschaft)

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Das könnte Sie auch interessieren: Alle Garten-Webprojekte von Eva Schumann Online Publikationen: www.hobbygarten.de/gartentipps (tinto-Projekt)

Mittwoch, 20. April 2022

Achtung Lauchmotte - die Larven gefährden die Ernte!

Zerfressene Blätter, Larven und Puppen an den Blättern weisen darauf hin, dass der Lauch von der Lauchmotte heimgesucht wurde. Auch Zwiebeln, Schnittlauch, Knoblauch und andere Pflanzen aus der Gattung Allium werden befallen und können dadurch unverwertbar werden. Was man vorbeugend und zur Bekämpfung tun kann.

Lauch ist ein vorzügliches und vielseitiges Gemüse, beispielsweise als gedünsteter Lauch mit Vinaigrette angemacht, als Porree-Gorgonzolasoße zu Rosenkohl/Zucchini und Gnocchi oder auf dem Flammkuchen mit Sauerrahm und Schinken.

Mit einem Klick: → MotteSchadbild durch RaupenVorbeugung und BekämpfungSchutznetzeandere Lauch-Schädlinge


Acrolepiopsis assectella (ento-csiro-au)

Aus der Freude am Lauch wird jedoch nichts, wenn die Lauchmotte ihre Eier an die Blätter legt, aus denen die hungrigen Larven schlüpfen. (Bildquelle: unknown, CSIRO, Public domain | gemeinfrei, via Wikimedia Commons)

Alljährlich ab etwa Mai fliegen sie wieder und legen zahlreiche Eier an junge Lauchblätter, die Lauchmotten (Acrolepiopsis assectella), auch Zwiebelmotten genannt. Aus den Eiern schlüpfen blasse, hungrige Larven. Zunächst schaben sie an den Blättern, dann beginnen sie mit dem Minieren. Sie fressen, während sie fünf Larvenstadien durchlaufen, bis sie etwa 1 cm lang sind und hinterlassen viele längliche Löcher. Dann verpuppen sie sich in losen netzartigen Gespinsten an den Blättern. Aus diesen schlüpfen nach Ende der Puppenphase die Motten der zweiten Generation.

GärtnerInnen können befallene, durchlöcherte Lauchstangen nicht verkaufen und auch HobbygärtnerInnen vergeht bei starkem Befall der Appetit.

Im folgenden Clip sehen Sie eine hungrige Larve "in Action" (YouTube-Kanal Watier - Visuel)

Die Raupen der zweiten Generation richten besonders großen Schaden an, sie gehen auch an die Blütenstände und stören so die Samenbildung. Ab September/Oktober beginnen sie mit der Verpuppung. Aus den Puppen schlüpfen je nach Zeitpunkt und Witterung noch in diesem Jahr, sonst im nächsten die neuen Falter. Die Lauchmotte überwintert jedoch meist als Falter, seltener als Puppe. Ab etwa 10 °C verlassen die Falter im nächsten Frühjahr ihre Überwinterungsplätze, oft liegengebliebene Pflanzenabfälle. 

In manchen Jahren fliegen bei uns die ersten Lauchmotten bereits ab Mitte April. Dann kann es sogar drei Generationen pro Jahr geben. In Südeuropa treten vier bis fünf Generationen pro Jahr auf, in Algerien wurden schon bis zu acht überlappende Generationen pro Jahr beobachtet. 

Die Verletzungen durch die Raupen im Inneren der Pflanzen können auch zu Fäulnis führen.

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Was tun gegen den Befall durch Lauchmotten

Natürliche Feinde fördern

Es gibt viele natürliche Gegenspieler der Lauchmotte, die sich in jedem Garten (mit etwas Unterstützung) ansiedeln können.

Fledermäuse gehören zu den natürlichen Feinden der dämmerungs- und nachtaktiven fliegenden Insekten. Sie vertilgen Mücken und Nachtfalter in großen Mengen. Leider sind die Tiere vom Aussterben bedroht und man sollte sie im Garten fördern, ihnen beispielsweise Fledermauskästen aufhängen, in denen sie schlafen und ihre Jungen aufziehen können, oder ihnen zumindest nicht schaden.

Es gibt verschiedene natürlich vorkommende Schlupfwespen und Brackwespen, deren Larven sich in den Larven oder Puppen der Lauchmotte entwickeln, wobei diese dabei absterben, und es gibt auch räuberische Insekten wie Laufkäfer, Kurzflügelkäfer, Marienkäfer, Florfliegenlarven, die sich von den Larven und Puppen ernähren. Sie können sich nur in einem insektenfreundlichen, vielfältigen Garten ansiedeln.

Hühner und andere Vögel picken Larven und Puppen, die sich auf oder nahe unter der Bodenoberfläche befinden.

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Vorbeugung und Bekämpfung

Gegen die Lauchmotte gibt es keine vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zugelassenen Wirkstoffe zur Anwendung an Porree, Zwiebeln, Schnittlauch oder Knoblauch im Haus- und Kleingarten. Vorbeugung und Maßnahmen ohne Gift wie beispielsweise die Nutzung von Barrieren und Fallen oder besondere Anbaustrategien sind sowieso immer besser für Mensch, Haustier und andere geschätzte Gartenmitbewohner. 

Für den Anbau von Zwiebeln, Lauch und Co. sind Standorte zu bevorzugen, an denen die Luft gut zirkulieren kann. Aus dem Grund sollte auch nicht zu dicht gepflanzt werden.

Eine weitere wichtige vorbeugende Anbaumaßnahme ist der Fruchtwechsel: Man sollte nicht eine Allium-Art nach der anderen aufs gleiche Beet pflanzen, sondern abwechseln.

Nach der Ernte sollten keine befallenen Pflanzenreste auf dem Beet verbleiben, denn an denen können Puppen und Falter überwintern.

Ernterückstände und befallene Pflanzen sollten nur dann auf den eigenen Komposthaufen gegeben werden, wenn dieser groß genug ist und sich darin bei der Rotte hohe Temperaturen entwickeln (dann kann man diese in die Mitte geben, wo es am heißesten ist). Bei sehr kleinem Komposthaufen ist die Biotonne oder die Mülltonne zur Entsorgung der befallenen Pflanzenreste vorzuziehen.

Beim Kauf von Jungpflanzen sollte man darauf achten, dass diese befallsfrei sind. Zieht man die Jungpflanzen selbst an, beispielsweise im Gewächshaus oder Frühbeetkasten, dann schützt man sie am besten ab der Dämmerung unter einer Insektenschutzabdeckung.

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Will man den Flugbeginn und weiteren Flugverlauf der Falter feststellen, kann man Pheromonfallen aufhängen. Die Duftstoffe der Fallen locken die Tiere an und sie bleiben auf einer Klebefolie hängen. Allerdings kann man mit solchen Fallen Zwiebeln, Lauch & Co. nicht befallsfrei halten, sie helfen nur bei der Beobachtung des Faltergeschehens. Entomologen und Pflanzenschützer berechnen daraus die Raupenbefalls- und weiteren Entwicklungszeiten.

Sehr wirkungsvoll sind Schutznetze gegen Insekten, Kulturschutznetze oder auch Insektenschutznetze genannt. Man legt sie direkt über das Beet oder spannt sie über ein (Tunnel-)Gerüst. Wichtig ist, dass man sie gleich nach der Pflanzung anbringt, sie keine Risse haben und an allen Seiten dicht schließen. Wer zur Abdeckung einen einfachen Folientunnel nutzt, kann den tagsüber zum Gießen oder Hacken vorrübergehend öffnen/abnehmen, da die Falter nachtaktiv sind und am hellen Tag nicht zufliegen. 

Gebräuchlich sind Schutznetze gegen Insekten aus Polyethylen (PE) mit einer Maschenweite von etwa 1,3 x 1,3 mm. Sie halten neben der Lauchmotte auch die Zwiebelfliege ab. Soll auch die Lauchminierfliege draußen bleiben, sollte die Maschenweite nicht über 0,8 x 0,8 mm liegen. Gegen Zwiebelblattläuse darf die Maschenweite nicht über 0,5 x 0,5 mm liegen. Aber: Je engmaschiger das Netz, desto wärmer kann es allerdings darunter werden. 

Verschiedene Quellen empfehlen Pflanzen-Brühen, Jauchen, Tees und Ähnliches zu spritzen, beispielsweise einen Brennesselkaltwasserauszug, Rhabarberblätterbrühe, Rainfarntee oder Rhabarberblättertee. Aber man liest selten von Erfolgen oder Unterschieden im direkten Vergleich zu einer unbehandelten Parzelle am gleichen Standort. 

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Biologische Bekämpfung

Bei Nützlingszüchtern kann man Nematoden zur Biologischen Bekämpfung von Lauchmotten kaufen. Nematoden sind winzige Fadenwürmer, die in die Larven der Lauchmotte eindringen und diese mit einem Bakterium infizieren. Sie werden auf feuchten Boden mit viel Wasser ausgebracht. Eine befallene Raupe stirbt bald ab und die Nematoden vermehren sich in ihr. Nach etwa zwei Wochen suchen sich die Nematoden neue Wirte, sprich neue Raupen. Nematoden können ausgebracht werden, sobald die Bodentemperatur bei 12 Grad Celsius liegt. Die Methode ist eher für größere Anbauflächen geeignet, damit die Motten ihren Zyklus nicht vollenden, sich nicht weitere Generationen entwickeln und sich die Lauchmotten nicht stärker auf einem Feld ausbreiten. 


Lauchmotte versus Lauchminierfliege versus Zwiebelfliege

Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella): Man findet verdrehte Blätter im Frühjahr, später Fraßgänge, Larven (Raupen) mit einer Kopfkapsel, Verpuppung unter Gespinst.

Porree- und Zwiebelminierfliege: Bei Befall durch die Porreeminierfliege (Phytomyza gymnostoma) oder die Zwiebelminierfliege (Liriomyza nietzkeil) findet man Larven (Fliegenmaden) ohne Kopfkapsel, außerdem Tönnchenpuppen (statt Puppen im "Netzbeutel" wie bei der Lauchmotte). 

Zwiebelfliege: Die Zwiebelfliege (Delia antiqua) hat die gleichen Wirte wie die Lauchmotte. Man findet bis zu 1 cm lange Larven (Fliegenmaden) ohne Kopfkapsel, außerdem Tönnchenpuppen an unterirdischen Pflanzenteilen.


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