Freitag, 23. Juli 2021

Wildblumen-Fotosafari im Chiemgau

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah. Ich gehe gerne auf Wildblumen-Fotosafari ins Grüne - entweder in der unmittelbaren Nachbarschaft oder auch mal ein paar Kilometer weg. Hier war ich im Chiemgau in Bayern.(zuletzt aktualisiert am 23.7.2021)

Fotosafari: Chiemgau mit Alpen im Hintergrund

Urlaubsfeeling und kleine Abenteuer kann man auch "ums Eck" haben: Einfach mit dem Fahrrad, Zug, Bus oder dem Auto ein Stück ins Grüne fahren und losmaschieren! Außer Sonnencreme und Kopfbedeckung sollte man Wasser und einen kleinen Snack (belegtes Brot, Obst, Schokoriegel) sicherheitshalber dabei haben, vor allem, wenn man die Gegend nicht kennt, sich möglicherweise verläuft oder wenn man nicht sicher ist, ob es irgendeine Form von Gastronomie oder Lebensmittelgeschäft gibt und diese geöffnet haben. Ich persönlich liebe Wildblumen-Fotosafaris und habe fast immer ein Bestimmungsbuch und einen Fotoapparat dabei beziehungsweise das Smartphone mit einer Bestimmungs-App.

In diesem Fall war ich im Chiemgau - das ist die Gegend um den Chiemsee und die Eggstätter Seenplatte - etwa 120 km von meinem üblichen Wildblumen-Fotosafari-Terrain entfernt. Dort wachsen teilweise völlig andere Pflanzen am Wegesrand. Hier drei Beispiele - wie immer lasse ich mich gerne korrigieren, wenn ich falsch bestimmt habe.

Nachtkerze Oenothera biennis

Fotosafari: Nachtkerze Oenothera biennis

Die Nachtkerze ist eine eingebürgerte Pflanze (Neophyt), deren Heimat Nordamerika ist. Sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa als Zierpflanze eingeführt. Nun denkt sie nicht daran, sich an unsere Gartengrenzen zu halten ("Gartenflüchtling"), sondern verbreitet sich, wie sie mag. Sie blüht von Juni bis September und das helle Gelb ihrer geöffneten Blüten leuchtet in der Abenddämmerung. Angeblich mag die Nachtkerze einen trockenen, mageren Boden, aber diese hier standen an einem feuchten Platz zusammen mit Blutweiderich halb im Straßengraben neben der Straße, und sie blüht angeblich erst spät nachmittags oder abends, aber diese hier habe ich Mittags bei bedecktem Himmel fotografiert.

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Blutweiderich Lythrum salicaria

Fotosafari: Blutweiderich Lythrum salicaria

Der Blutweiderich ist den entgegengesetzen Weg gegangen wie die Nachtkerze: Er war nämlich in Europa und Asien zuhause, wächst aber inzwischen als Neophyt auch in Nordamerika. Dort freut man sich nicht über ihn und bekämpft ihn "biologisch" mit Rüsselkäfern (sagt Wikipedia). Der Blutweiderich mag es feucht und wächst an Ufern und überall da, wo es sumpfig ist. Schwebfliegen, Bienen und Schmetterlinge lieben die schönen lilafarbenen Blütenkerzen wegen des Blütennektars. Im Chiemgau sieht man den Blutweiderich von Juni bis September überall blühen.

Gemeiner Wasserdost Eupatorium cannabinum

Gemeiner Wasserdost - Eupatorium cannabinum

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Auch der Wasserdost mag feuchte Standorte, wie sie an Ufern und in feuchten Wäldern zu finden sind. Solche Standorte bietet die Eggstätter Seenplatte reichlich. Der Wasserdost blüht von Juli bis August. Auch er ist eine wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlinge und Schwebfliegen (die Larven der Schwebfliegen sind übrigens wichtige Nützlinge gegen Blattläuse).


Das Pflanzenentdecken, Bestimmen und Fotografieren macht einen Ausflug zur Wildblumen-Fotosafari. Das ist für mich spannender als einfach nur spazieren zu gehen. Allerdings muss die Begleitung auch ein wenig Begeisterung dafür oder etwas Geduld mitbringen. Auf jeden Fall lernt man seine nähere oder etwas weitere Umgebung auf der Wildblumen-Fotosafari besser kennen. Mit Picknick oder Biergarten kombiniert wird sie zum erholsamsten Urlaubstag.

Hinweis: Für die Richtigkeit der Namensangaben übernehme ich keine Haftung. Wer Pflanzen als Wildgemüse oder Wildkräuter sammelt, sollte ein guter Pflanzenkenner sein, denn bei einigen Pflanzen besteht Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen. Das könnte Sie auch interessieren:
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Mittwoch, 21. Juli 2021

Besser gärtnern ohne Umgraben?

Einen großen Einfluss auf das Artensterben und die Klimakrise hat unter anderem die Art der Landwirtschaft und des Gartenbaus – einschließlich des nicht-kommerziellen Gärtnerns (Hausgarten, Kleingarten, Gemeinschaftsgartenprojekte und andere). Schon sehr lange in der Diskussion ist das Gärtnern ohne Umgraben, wie es heutzutage beispielsweise oft im Hobbygarten mit der No-Dig-Methode nach Charles Dowding praktiziert wird. Überlegungen rund um Bodenbearbeitung und Düngung sowie die Düngeverordnung (DÜV).

Salat und Blattgemüse in Mischkultur in einem Kleingewächshaus
(alte Kleingartenanlage an der FH Weihenstephan, heute HSWT)
Von 1978 bis 1983 studierte ich Gartenbau an der Fachhochschule Weihenstephan in Bayern. Ich war Studentin, Praktikantin (je ein halbes Jahr am Institut für Gemüsebau und bei einer Münchner Gemüsegärtnerei) und schließlich Gartenbau-Ingenieurin (FH), aber ich war nebenbei immer auch Hobbygärtnerin. Die Diskussion ums Umgraben im Erwerbs- und Freizeitgartenbau gab es schon damals, wahrscheinlich gibt es sie seit Jahrhunderten. (Während meiner Studienzeit wohnte ich zwei Jahre auf einem Bauernhof. Das freundliche Ehepaar des Familienbetriebes ließ mich ihren Garten mitnutzen und staunte nicht schlecht, dass ich meine Fläche nicht umgrub, sondern im Winter mit Stroh abdeckte.) Doch zwei aktuelle Krisen geben dem Thema "Umgraben oder nicht" neues Gewicht und Dringlichkeit: das Artensterben (auch im Boden) sowie die Klimakrise durch den Klimawandel.

Details zur Klimakrise für Interessierte

Immer mehr klimaschädliche Gase (Treibhausgase) gelangen weltweit durch Waldbrände, Brandrodungen, Moorentwässerungen, Torfabbau, Auto- und Industrieabgase und anderes mehr in die Atmosphäre, während gleichzeitig die Speicher, die sie binden könnten, immer weniger werden dank Waldsterben (oft direkte oder indirekte Folge von Luftverschmutzung und Klimawandel), Bebauung bzw. Flächenversiegelung sowie dank großflächiger industrieller Landwirtschaft mit Massentierhaltung, Monokultur und/oder mehr oder weniger toten (und über zu lange Zeiträume nackten) Böden.

Treibhausgase sind unter anderem Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O), Methan (CH4) und Ozon (O3). Obwohl die Weltmeere einen Teil der Treibhausgase speichern (mit negativer Auswirkung auf das Ökosystem Meer), bewirken die restlichen Treibhausgase die Klimaerwärmung mit ihren Folgen: Sie absorbieren die Wärmeabstrahlung der Erde und werfen sie zurück, wodurch es auf der Erde immer wärmer wird (Treibhauseffekt).

Laut Bundesumweltamt war die deutsche Landwirtschaft entsprechend einer ersten Schätzung 2020 insgesamt für 60,4 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalente verantwortlich. "Das sind 8,2 % der gesamten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen des Jahres. Die Emissionen aus der Landwirtschaft haben somit mit den energiebedingten Emissionen aus der stationären und mobilen Verbrennung (82,8 %) und den prozessbedingten Emissionen der Industrie (7,9 %) einen substantiellen Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland."

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Gesunde Wälder, Moore und humusreiche Böden können große Mengen CO2 speichern

Um den Humusanteil im Boden dauerhaft zu erhöhen und damit CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen, ist eine andere Art Landwirtschaft notwendig. Einfach mehr Gülle oder Mist aus der Massentierhaltung auf einen Boden zu werfen, reicht nicht nur nicht, sondern ist kontraproduktiv, das würde nur zu mehr Grundwasser- und Erntegutbelastung mit Nitrat/Nitrit führen. Das Hinzufügen organischer Materialien soll den Boden verbessern, das Bodenleben fördern, die Bodenfruchtbarkeit erhöhen und die Pflanzen versorgen; organische Stoffe sollen umgewandelt werden, sie sollen nicht auswaschbar sein und die Pflanzen nicht überversorgen. Zusammengefasst: Sie sollten von den Bodenlebewesen in stabilen Humus umgewandelt werden, damit der Boden krümelig und fruchtbar wird und das CO2 im Boden gebunden bleibt. Zur Unterstützung dieser CO2-Bindung im Boden sind beispielsweise folgende Maßnahmen geeignet: möglichst wenig Bodenbearbeitung, Dauerbedeckung des Bodens durch lebende Pflanzen oder Mulchen, Mischkultur, Gründüngung, Verzicht auf solche Pflanzenschutzmittel und Dünger, die das Bodenleben negativ beeinträchtigen könnten.

Anbauen ohne Umgraben

Bei Anbauverfahren ohne Umgraben wird der Boden nach Möglichkeit nie nackt der Witterung ausgesetzt, er ist immer mit Kulturpflanzen, Gründüngung oder Mulch bedeckt. Kompost wird vor der Pflanzung oder in einen stehenden Pflanzenbestand gegeben und dem Wohlergehen des Bodenlebens, einschließlich der wichtigen Mykorrhiza-Pilze (die mit Pflanzen eine Symbiose eingehen, sie ernähren und organisches Material zu stabilen Bodenkrümeln verkleben) wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt (vor allem werden keine Fungizide eingesetzt). Mit den Kompostgaben werden nicht die Pflanzen direkt ernährt, sondern der Boden/das Bodenleben "gefüttert". Der Boden wiederum versorgt die Pflanzen, die über ihre Wurzelausscheidungen "signalisieren", was sie benötigen, bzw. triggern, damit ihnen das Richtige gegeben wird. Ziel ist der Humusaufbau im Boden, der nicht nur bessere Ernten ermöglicht, sondern große Mengen CO2 aus der Luft im Boden binden kann.

Neues Gartenbeet vorbereiten - die herkömmliche Art

Wer aus einer Grasfläche oder aus einer anderen bewachsenen Fläche im Garten ein Beet machen möchte, hebt üblicherweise die Grassoden ab beziehungsweise zieht/siebt unerwünschte Pflanzen (Unkraut) und Wurzelausläufer heraus, gräbt um, füllt mit Kompost auf und recht das Beet eben.

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Die, die wie ich, im weiteren Verlauf ohne das Umgraben und mit möglichst wenig Unkrautjäten zurechtkommen wollen, arbeiten vor jeder Aussaat mit der falschen Saatbeetmethode, (lebend-)mulchen zwischen den Reihen entweder mit Untersaaten oder natürlichen Mulchmaterialien wie Stroh (Erdbeeren, Gemüse) oder Rindenmulch (Wege, Sträucher und Bäume). Siehe auch Unkrautbekämpfung im Gemüsebeet und auf anderen Flächen im Garten.

Als Mulch kann man beispielsweise pflanzliche Abfälle aus dem eigenen Garten nehmen - hier: kleingeschnittenes Chinaschilfstroh vom Vorjahr (kohlenstoffreich, stickstoffarm) und Rasenschnitt (kohlenstoffarm, stickstoffreich) gemischt.  


Rindenmulch und trockenes Laub sind stickstoffarm, sie entziehen dem Boden bei der Zersetzung Stickstoff. Wenn man sie zum Mulchen unter (gut angewachsenen) Gehölzen oder Stauden verwenden will und der Boden nicht gerade mit Stickstoff überversorgt ist, sollte man etwas organischen Stickstoffdünger wie Hornspäne dazu geben.


Neues Gartenbeet vorbereiten nach der No-dig-Methode von Charles Dowding

Charles Dowding

Dowding ist ein Marktgärtner in Somerset im Südwesten Englands mit Bio-Gemüseanbau, der sehr viel Gemüse von einer kleinen Fläche erntet, um seine Kunden versorgen zu können. Seine Besonderheit: Er gräbt nie um, düngt einmal jährlich mit Kompost und beobachtet seine Pflanzen, ebenso wie seinen Kompost, sehr genau. Dowding macht Führungen in seinem Betrieb, hat mehrere Bücher über seine Art des Gärtnerns für Selbstversorger geschrieben und veröffentlicht regelmäßig Videos aufbei YouTube, oft auch in Kooperation mit Selbstversorgern aus anderen Regionen der Welt. Dowding betreibt bei fast allen Gemüsen (außer Karotten und Pastinaken) eine Vorkultur (Aussaat in Trays) und pflanzt die fertigen kräftigen Jungpflanzen ins vorgesehene Beet. Sind Pflanzen überständig und lang (weil noch kein Platz im Beet frei war), werden sie einfach tiefer gepflanzt, ebenso bei Sommertrockenheit.



Bei der Neuanlage eines Beetes ohne Umgraben nach Charles Dowding wird nur das grobe oder verholzte Unkraut entfernt, dann auf das spätere Beet und die Wege drumherum dicker Karton ausgelegt. Anschließend wird das eigentliche Beet mit Latten begrenzt und etwa 10 cm hoch mit Gartenkompost oder Ähnlichem bedeckt. Die Kartons auf den Wegen werden mit Steinen oder anderem beschwert.

Wird Karton als Mulchmaterial oder hier für die Beetanlage genutzt, sollte er möglichst wenig beschriftet und von Klebestreifen befreit sein.


No-Dig-Beetanlage nach Charles Dowding: Die gesamte Fläche (für Beet und Wege) wird mit Pappkarton abgedeckt und dieser befeuchtet. Dort wo das Beet geplant ist, wird Kompost aufgebracht. Dort wo die Wege sind, können Steine oder anderes zur Befestigung aufgelegt werden.

Die Kartons zersetzen sich schnell, das Unkraut unter dem Karton stirbt ab. Bei diesem Verfahren wird nie umgegraben, die Erde wird immer durch Gemüse, Mulch oder Gründüngung bedeckt gehalten. Es wird in den Folgejahren einmal jährlich in Form von 3 cm Kompost - auch in die stehende Kultur - gedüngt, das reicht Dowding für das ganze Jahr. Mehr im Video vom YouTube-Kanal Charles Dowding (Englisch):



Die Kompostmengen sind bei Dowding wesentlich höher als es die deutsche Düngeverordnung (DÜV) zulässt. Die ist zwar für die Landwirtschaft und den gärtnerischen Erwerbsanbau gedacht, aber als Hobbygärtner möchten die meisten erst recht nachhaltig und umweltbewusst gärtnern und keinesfalls zur Grundwasserverschmutzung oder Ähnlichem beitragen. Aus der DÜV: "(4) Aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln, einschließlich Wirtschaftsdüngern, auch in Mischungen, dürfen unbeschadet der Vorgaben der §§ 3 und 4 Nährstoffe nur so aufgebracht werden, dass die aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen des Betriebes 170 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar und Jahr nicht überschreitet. Abweichend von Satz 1 darf im Falle von Kompost die durch dieses Düngemittel aufgebrachte Menge an Gesamtstickstoff im Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Flächen des Betriebes in einem Zeitraum von drei Jahren 510 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar nicht überschreiten."

170 kg Stickstoff/ha entsprechen umgerechnet 17 g Stickstoff/m2. Die durchschnittlich empfohlene Menge von 1 bis 3 l Kompost/pro Kultur (Schichtdicke von 1 bis 3 mm) für Gemüse im Freizeitgarten enthält bei drei aufeinander folgenden Kulturen pro Jahr (beispielsweise Frühjahrskultur Rettich 2 l, Sommerkultur Tomaten 3 l, Herbst-/Winterkultur Feldsalat 1 l zusammen etwa 6 l) laut dem Leitfaden zur Kompostierung von Fischer und Jauch (hswt.de) etwa 32 g N/m2 (2 x 16 g N/m2). Schon das wäre fast doppelt so viel, wie es die DÜV vorschreibt, dabei wird bei diesen Mengenempfehlungen davon ausgegangen, dass Stickstoff zusätzlich beispielsweise als Hornspäne je nach Pflanzenbedarf und Boden zugedüngt wird, denn das Nährstoffverhältnis von kompostiertem Mist, Garten- oder Grüngutkompost ist für viele Pflanzen nicht optimal (vor allem ist der Phosphatanteil oft zu hoch). Die empfohlene Kompostmengenbeschränkung im Hausgarten kam dadurch zustande, dass sich bei Bodenuntersuchungen von Böden im Freizeitgartenbau herausgestellt hatte, dass diese mit Phosphor überversorgt sind, was man vor allem auf die hohen Stallmist- und Kompostgaben ("Mistpackungen" und Ähnliches) zurückgeführt hatte.

Dowdings Empfehlung von 3 cm Kompost pro Jahr liegt noch weit höher, denn eine Schichtdicke von 3 cm = 30 mm entspricht 30 l Kompost pro m2. Das wäre aber fast 10-mal so viel (10 x 16 g N/m2) wie die Düngeverordnung vorgibt (maximal x 17 g N/m2).

Warum gibt es überhaupt Dünge-Vorschriften?

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Als noch jeder Mensch mehr oder weniger düngen konnte, was wie und wann er wollte, kam es oft zur Nitratanreicherung im Gemüse mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit (Problemkreis Nitrat-Nitrit-Nitrosamine), außerdem zur Nitratauswaschung ins Grundwasser und/oder zur Phosphatanreicherung im Boden. Deutschland steht nach wie vor unter Beschuss durch den Gerichtshof der Europäischen Union wegen seiner hohen Nitratgehalte im Grundwasser. Es muss also tatsächlich etwas getan werden. Es ist nur die Frage, ob so eine Pauschalregelung das Richtige ist. Ein Gartenbaubetrieb mit intensivem biologischen Gemüseanbau, der den Boden das ganze Jahr dicht bepflanzt und beerntet, zumindest aber bedeckt hält, und der mit verschiedenen Maßnahmen für den Humusaufbau und -Erhalt im Boden sorgen will (auch mit dem Hintergrund CO2 im Boden zu binden) sollte anders bewertet werden als ein Bauer mit überwiegend Stalltierhaltung, der seine Gülle nach dem Winter loswerden muss, aber möglicherweise nicht genügend Fläche hat, die diese Mengen zur noch kalten Jahreszeit verwerten kann. Und zwischen diesen beiden Beispielen gibt es natürlich noch viele andere Situationen. Ganz abgesehen davon, dass jeder Boden und auch das Klima am Standort anders ist.

Was die Untersuchungsergebnisse bezüglich der Phosphat-Überdüngung in den Böden der FreizeitgärtnerInnen betrifft: Meines Wissens wurden die Böden in der Zeit, in der die hohen Phosphatgehalte entstanden, nicht nur im Frühjahr mit Kompost und Mist (zu reichlich) versorgt, sondern es war lange Zeit in manchen Hobbygärtnerkreisen "Mode", während der Anbausaison großzügig mit für die meisten Gemüse auf den meisten Böden zu phosphatreichen (Mineral-)Düngern wie "Blaukorn" (Stickstoff 12 %, Phospor 12 %, Kalium 17 %) zu düngen (nicht aus böser Absicht, sondern weil man der Werbung glaubte) sowie das Beet im Herbst umzugraben und nackt der Witterung auszusetzen, um eine ebenfalls propagierte Frostgare (die aber nicht stabil ist) zu bekommen (teilweise war es vielleicht der sprichwörtlichen deutschen Ordnungsliebe geschuldet und vermutlich brauchte die in Notzeiten und Krieg aufgewachsene Generation die teilweise übertriebenen Ordnung, um ein Gefühl der Sicherheit und Berechenbarkeit zu finden).

Ich persönlich halte es, nach dem was ich von Dowding gesehen habe, für unwahrscheinlich, dass die No-Dig-Methode trotz der hohen Kompostgaben bei ihm solche negativen Auswirkungen hat. Denn zum einen wird außer Kompost überhaupt nicht gedüngt und zum anderen befindet sich seine Marktgärtnerei im Südwesten Englands. In dem dortigen maritimen Klima ist die Anbausaison länger als im bayrischen Alpenvorland. Desweiteren baut er meines Wissens möglichst viele Kulturen nacheinander beziehungsweise ineinander übergreifend pro Jahr an, erntet fortlaufend und hält den Boden immer bedeckt. Das schützt nicht nur vor Auswaschung durch Regen, sondern bietet den Bodenorganismen ein gutes Klima. Die Nährstoffe sind dadurch nicht im Boden gelöst, sondern zu einem Großteil in den Pflanzen, den Bodenlebewesen und im stabilen Humus gebunden.

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Leider ist mir aber keine wissenschaftliche Untersuchung bekannt, die das anhand von Zahlen bestätigt. Dazu bräuchte es exakte Messungen von Humusaufbau und Umbau, von Nährstoff-Auswaschungen u. Ä. in einem professionellen Versuchsaufbau (verschiedene Varianten, Vergleichsparzellen, ausreichende Anzahl an Wiederholungen etc.) mit anschließender statistischer Auswertung, damit die Aussagen belastbar sind.

Ich persönlich würde die Dowding-No-Dig-Methode nur anwenden, wenn ich den Boden ganzjährig mit wachsenden Pflanzen (Kulturpflanzen, Gründüngung) möglichst dicht bedeckt halten kann, damit diese Pflanzen die Nährstoffe aufnehmen, welche dann mit der Ernte vom Beet kommen. Statt im Herbst umzugraben, würde ich rechtzeitig Gründüngung aussäen oder Mulch ausbringen, damit der Regen und die Schneeschmelze möglichst keine Nährstoffe ins Grundwasser schlemmen können. Auch durch die Vermehrung und Aktivität der Bodenmikroben unter/in dem Mulch werden Nährstoffe verbraucht. Weitere Maßnahmen könnten 1. die Förderung von Mykorrhiza-Pilzen sein (Ausbringung von entsprechenden Präparaten, Gründüngung mit Gräsern etc.), weil sie die Pflanzen bei der Nährstoffaufnahme unterstützen und wichtig für die Bildung von stabilem Humus sind, und 2. die Zugabe von Pflanzenkohle zu stickstoffreichem Kompost (oder noch besser die Aufbereitung zu Terra preta), weil sie die Nährstoffe und Kohlenstoffverbindungen im Boden hält.

Humusaufbau – gut für Boden und Klima

Sehr interessant in diesem Zusammenhang finde ich die Veröffentlichungen von Gerald Dunst, beispielsweise sein Buch Humusaufbau: Chance für Landwirtschaft und Klima (Herausgeber: Sonnenerde GmbH, über Amazon und bei https://www.bloomling.at/ bestellbar). Gerald Dunst ist studierter Bodenkundler und war 13 Jahre selbstständiger Kompostberater. Seit 2008 ist er in der Terra-Preta-Forschung tätig. Er baute und betreibt die erste Pflanzenkohle-Produktionsanlage Österreichs. Beim Humusprojekt in der Ökoregion Kaindorf wird seit 2007 Wissen über Humusaufbau zusammengetragen und in der Praxis umgesetzt. Bei dem Projekt ging es zunächst "nur" um die CO2- bzw. Kohlenstoffspeicherung im Boden als Beitrag für den Klimaschutz, doch inzwischen geht es um die Verbesserung des Wasserhaushaltes, die Verringerung von Erosionen und es wurde ein Modell für den Zertifikatehandel entwickelt.

Pflanzenkohle

Der Einsatz von Pflanzenkohle – beispielsweise als Zusatz zu Kompost oder auch anderen Düngern – hat einen großen Einfluss auf das Wasserhaltevermögen, die Stickstoff- und Phosphatauswaschung und die Humusbildung. Dabei kommt es unter anderem auch auf die Vorbehandlung und die Menge an – und sicher auch auf den vorhandenen Boden, das Klima am Standort, das Nutzungs-/Anbausystem und die Art der Bodenbearbeitung und sonstigen Düngung.

Humusaufbau für Praktiker - Böden richtig beurteilen und Entscheidungen treffen (Youtube-Kanal der Baum- und Rebschule Schreiber)



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Fazit

Es ist die Politik, die Umweltbelastungen durch Industrie, Landwirtschaft, Haushalte, Autoverkehr und anderes ignoriert, toleriert oder aber sie erforschen lässt und zum Wohle aller reguliert beziehungsweise Anreize für bessere Verfahren und besseres Verhalten formuliert. Oft genug lassen sich meiner Meinung nach Politiker von der Industrie oder anderen Interessensvertretern mit rein kommerzieller Absicht über den Tisch ziehen (oder mit Parteispenden überzeugen?), warum diese oder jene veraltete, umweltschädliche Technologie beibehalten werden muss. Die Wahrheit ist, dass viele Firmen mehr Geld verdienen können, wenn sie die alte Technologie bis zum Sanktnimmerleinstag nutzen, statt in die Entwicklung innovativer Verfahren zu investieren. Auch wurden Warnende, zu denen viele meiner Generation gehörten, oft ignoriert oder als grüne Spinner abgetan (und haben trotzdem einiges geschafft, aber natürlich nicht genug). Zum Glück ist die neue junge Generation engagiert, so dass die Chancen, die Situation der Klimakrise noch zum Positiven zu wenden, wieder besser geworden sind. Apropos: Wer sind die Klimawende-Abwürger der letzten Legislaturperioden (klimareporter.de)

Die Wissenschaft gewinnt nur sehr langsam mehr Erkenntnisse zur "Blackbox Boden" und zur Zusammenarbeit der Organismen des Bodenbioms untereinander und mit den Pflanzen. Würde hier noch mehr in die Forschung investiert werden (und dabei Vorkämpfer der umweltfreundlichen Verfahrensweise zur Beratung beigestellt werden), könnte das helfen, die Böden fruchtbarer zu machen, die Lage der Landwirtschaft/Gartenbau zu verbessern und gleichzeitig die CO2-Speicherung im Boden gravierend zu erhöhen. [Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht auf seinen Seiten, dass gut zwei Drittel der Ausgaben aus der Wirtschaft kommen. Meines Wissens bestimmt der, der bezahlt, das Thema und hat bestimmte Ergebnisse auf seinem Wunschzettel, die seinen kommerziellen Absichten ein Fundament geben. Ist das im Sinne der Verbraucher/Bürger/Interessensgruppen ohne große finanzielle Mittel?]

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Montag, 19. Juli 2021

Gemüsegarten für Anfänger - 10 Tipps für angehende Selbstversorger

Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Anbau schmecken am besten: Man kann die Sorten anbauen, die man am liebsten mag, und man kann ganz nach Bedarf ernten - aus dem Garten frisch auf den Tisch. Und egal, ob man aus Interesse an Natur und Pflanzen oder aus politischer Motivation Selbstversorger werden möchte, macht der Anbau auch noch Spaß und tut der Seele gut. (aktualisiert am 19.7.2021)



Neugärtner, die noch nie Gemüse und Kräuter angebaut hat, sind möglicherweise ein wenig unsicher, wie sie anfangen und was sie bedenken sollten. Mit diesen Tipps sind sie gut vorbereitet.

Übrigens: Auch wer keinen eigenen Garten hat, kann Selbstversorger sein und auf Mietparzellen (sie werden von (Bio-)Landwirten zur Miete für eine Gartensaison angeboten), im Gemeinschaftsgarten (den haben manche Gemeinden, Siedlungen, Hausgemeinschaften, Vereine zur Integration etc.), im gepachtetem Kleingarten (langjährige Pacht eines Grundstückes in einer Kleingartenanlage) oder im Topfgarten (auf dem Balkon, der (Dach-)Terrasse, auf der Fensterbank oder im Hinterhof) Gemüse anbauen - wobei das Wort Topf in Topfgarten für jede Art von Pflanzgefäß steht, also auch für Kübel, Blumenkästen, große oder kleine bepflanzbare Säcke mit Erde, Tischbeete und vieles mehr.

Gemüse im Kübel: Gesäte Salatrauke und Pflücksalat 'Baby Leaf' unter der gepflanzten Tomate 'Corazon'
  1. Die meisten Gemüse lieben Licht
    Geben Sie dem Gemüsebeet einen sonnigen, offenen Platz im Garten. Berücksichtigen Sie bei der Auswahl des Standortes auch den Sonnenlauf, damit bei tiefer stehender Sonne im Spätsommer das Beet nicht beschattet wird, denn das würde die Gartensaison verkürzen. Wer keinen (fast) ganztägig sonnigen Standort im Garten hat, kann Gemüse und Kräuter für den Schatten anbauen - die Auswahl ist aber kleiner.
  2. Bodenpflege ist die Grundlage für gute Ernten
    Der Boden bietet den Pflanzen nicht nur Halt, sondern bevorratet Wasser und Nährstoffe. In einem ökologisch und nachhaltig bewirtschafteten Boden mit viel Humus hat man eine große Artenvielfalt an kleinen und großen Bodenorganismen. Das erhält die Krümelstruktur des Bodens, die Bodenfruchtbarkeit und die Bodenlebewesen arbeiten mit den Wurzeln zusammen, so dass die Pflanzen besser versorgt sind. Zur Bodenpflege gehören Kompostausbringung (ersatzweise am Anfang gekaufter Rindenhumus, kompostierter Mist und/oder organische Dünger), Gründüngung sowie schonende Bodenbearbeitung (kein Umgraben mit Bodenwenden, sondern nur Lockerung mit einem Sauzahn). Mit der Kompostierung von Gartenabfällen sorgt man außerdem für einen Stoffkreislauf, so dass keine wertvollen Nährstoffe verloren gehen, sondern als Dünger und Bodenverbesserer zurückgeführt werden.
  3. Sonderplätze für Wärme liebende Gemüse
    Tomaten, Auberginen und Paprika stehen gerne warm und vor Regen geschützt. Reservieren Sie ihnen einen Platz vor einer nach Süden gerichteten Hauswand oder unter einem Regendach. Sie kommen erst nach den Eisheiligen ins Freie und können in ein Beet, in Erdesäcke oder in große Kübel gepflanzt werden. 

    Ein Dach bietet Schutz vor Regen und (bis zu einem gewissen Grad) Hagel. Gewächshäuser und Tomatendächer gibt es als Bausätze im Handel, aber man kann auch einfach improvisieren. Dieses stand bei einem unserer Nachbarn und die Tomaten darunter waren gesund und trugen reichlich. 
  4. Beet oder Hochbeet
    Gemüse und Kräuter kann man in den normalen Gartenboden, in ein leicht erhöhtes oder in ein "richtiges" Hochbeet säen oder als vorgezogene Jungpflanzen auspflanzen. Wichtig ist, dass zumindest der oberste Boden eine Krume hat und frei von Unkraut ist, bevor man sät oder pflanzt (Ausnahme: Beetanlage nach der No-Dig-Methode von Charles Dowding ohne Umgraben, siehe auch besser Gärtnern ohne Umgraben?).

    Ein "richtiges" hohes Hochbeet (etwa 80 bis 100 cm hoch) hat mehrere Vorteile gegenüber dem normalen Gartenbeet: Man kann im Hochbeet unter der obersten Erdschicht Pflanzenabfälle kompostieren. Die Wärme der Kompostierung kurbelt das Pflanzenwachstum an. Gerade wer sich nicht so gut bücken kann, hat es beim Anbau im Hochbeet leichter.
  5. Anbau in Mischkultur
    Bewährte Mischkultur-Kombinationen in Reihen nebeneinander sind beispielsweise: gesäte Möhren neben Steckzwiebeln oder Porree, gepflanzter Kopfsalat oder gesäter Schnittsalat neben Steckzwiebeln.

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  6. Platzansprüche und Unterstützung
    Manche Gemüse haben einen hohen Platzbedarf, beispielsweise Zucchini und Kürbis. Auf den Saatguttüten und in den Beschreibungen auf den Etiketten von Jungpflanzen findet man Angaben zum empfohlenen Pflanzenabstand in der Reihe und von Reihe zu Reihe für die spezielle Sorte. Bei Pflanzen, die einen hohen Platzbedarf haben, dauert es oft eine ganze Zeit bis die Fläche bedeckt ist, da lohnt sich die Untersaat von Schnittsalat, Kresse, Radieschen und anderen schnell wachsenden Gemüsen.

    Manche Gemüse wollen hoch hinaus. Da sie sich nicht alleine tragen können und/oder windbruchgefährdet sind, gibt man ihnen Stützen. Zu diesen Gemüsearten und Sorten gehören: hochwachsende Tomaten ("Stabtomaten"), Auberginen, Stangenbohnen, manche Paprika- und Chilisorten, wenn man sie nur ein- oder zweitriebig zieht, sowie Melonen. Als Stützen werden Stäbe, Spiralstäbe oder Rankgitter genutzt. Man kann auch ein Gerüst mit einer Querstrebe oben bauen und die Pflanzen an Schnüren nach oben leiten.

  7. Gemüse und Kräuter vor Schnecken schützen
    Schnecken wissen auch, was gut ist: frische, zarte Jungpflanzen. Tagsüber verstecken sie sich gerne in der Umgebung und bei trübem Wetter oder in der Nacht gehen sie dann auf Beutezug. Die beste Vorbeugung gegen diese Überfälle: keine "Blätter-Wildnis" in der unmittelbaren Umgebung des Gemüsebeets, Schnecken regelmäßig unter Brettern und Steinen absuchen, gleich nach der Keimung oder der Pflanzung umweltverträgliches Schneckenmittel streuen und andere umweltfreundliche Maßnahmen gegen Schnecken.
  8. Mulchen im Gemüsegarten
    Unter Mulchen versteht man das Bedeckthalten des Bodens. Nimmt man organisches Material zum Mulchen wie beispielsweise Stroh oder Laub, dann verschwindet der Mulch mit zunehmender Zersetzung und wird zu Humus im Boden. Einen Mulcheffekt kann man auch durch Gründüngung und Untersaaten/Unterpflanzungen von Kresse, Radieschen, Schnittsalat und Kräutern zwischen großen Gemüsen mit langer Kulturzeit erzielen. Vorteile des Mulchens: Die Bodenbedeckung unterdrückt das Keimen von Unkrautsamen - das erspart das Unkrautziehen und Unkrauthacken. Die Bodenbedeckung hält den Boden feucht und fördert so das Bodenleben - dadurch wird der Boden lockerer und krümeliger. Mulch schützt den Boden vor Verschlämmung bei starken Regenfällen.
    Mulch kann aber Nachteile haben: Der Boden trocknet im Frühjahr schlechter ab, die Bedeckung bietet schattige, feuchte Verstecke für Schnecken und die Zersetzung von organischem Mulch bindet Stickstoff (weil sich die zersetzenden Mikroorganismen vermehren). Deshalb: Mulchen ist kein Allheilmittel. Auf schwerem oder undurchlässigen Boden sollte im Frühjahr erst mit dem Mulchen begonnen werden, wenn der Boden abgetrocknet ist und die Pflanzen gut angewachsen sind. Mulchen sollte man nur, wenn keine Gefahr durch Schnecken besteht, die sich unter dem Mulch verstecken könnten. Die Stickstoffbindung kann über Hornspäne oder einem anderen organischen Stickstoffdünger ausgeglichen werden. Mehr über Mulchen im Garten.

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  9. Bewässerung und Düngung
    Wasser und Nährstoffe werden im Boden gespeichert und an die Pflanzen abgegeben. Der Vorrat ist abhängig von der Bodenkörnung und vor allem vom Humusgehalt - weswegen die Bodenpflege so wichtig ist. Wer in seinem Garten keinen Wasseranschluss hat, sollte Dry Farming betreiben - das erfordert jedoch eine gute Vorbereitung (trockenresistente Sorten, tiefere Saat etc.). Ansonsten lässt sich Wasser sparen, indem man nicht die Pflanze überbraust, sondern in den Wurzelbereich gießt. Als Grunddüngung reicht normalerweise der Kompost (oder ersatzweise Rindenhumus), mittel- und stark zehrende Gemüse erhalten aber noch ein bis mehrere Gaben von organischem Dünger.
  10. Nützlinge im Garten fördern
    Lassen Sie sich von den natürlichen Feinden der Schnecken, Blattläuse und anderer Schädlinge helfen. Fördern Sie Nützlinge, indem Sie keine Pestizide spritzen, Nützlinge anlocken (Blühpflanzen locken beispielsweise Schwebfliegen an, deren Larven sehr räuberisch sind) und bieten Sie Überwinterungsplätze (Laubhaufen oder Igelhöhlen für Igel, Insektenhotels für die kleinen Fluggäste) und Nistplätze für Vögel und Fledermäuse, damit die im Sommer Blattläuse, Mücken etc. picken/fangen.

Anfängern empfehle ich, nur schnell keimende Gemüse direkt ins Beet zu säen, beispielsweise Radieschen, Pflücksalat, Salatrauke oder Gartenkresse. Ansonsten kauft man im ersten Jahr Steckzwiebeln und die ersten Jungpflanzen beim (Bio-)Gärtner - dann ist der Erfolg sicherer. Die eigene Jungpflanzenanzucht kann man parallel dazu aber in Töpfen und Kisten ausprobieren und die eigenen Jungpflanzen dann ebenfalls auspflanzen.

Bei jeder Aussaat und Pflanzung daran denken: Steckschildchen mit Sortennamen und Datum beschriften und vor die Pflanzenreihe stecken. Danach sorgfältig angießen – am besten mit weicher Brause, damit der Boden nicht verschlämmt. Hilfreich ist es, die Aussaaten und Pflanzungen in einem Gärtnertagebuch festzuhalten (was man wann wohin gepflanzt hat), denn man sollte im nächsten Jahr zumindest die Hauptkultur (die lange Sommerbepflanzung) nicht an die gleiche Stelle pflanzen (außer man pflanzt in Gefäße mit frischer Erde).

Fürchten Sie nicht, etwas falsch zu machen. Der Garten ist ein großes Experimentierfeld. Was bei dem einen funktioniert, klappt beim anderen weniger gut und umgekehrt. Und selbst wenn man alles richtig macht, kann ein Unwetter einen Strich durch die Rechnung machen. Doch von einigen Misserfolgen sollte man sich nicht entmutigen lassen: Vieles klappt schon von Anfang an und das ist eine wunderbare Erfahrung.

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Mittwoch, 14. Juli 2021

Felsenbirne – für große und kleine insekten- und vogelfreundliche Gärten

Die Felsenbirne ist ein schöner frühjahrsblühender Zier- und Fruchtstrauch, an dem sich Menschen, Insekten und Vögel erfreuen.

Blüten der Felsenbirne
Die Felsenbirne gedeiht in der Sonne und im Halbschatten.


Ab April beginnt die Felsenbirne zu blühen und lässt ihre zahlreichen weißen Blütensterne leuchten. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge besuchen sie gerne, um Nektar und Pollen zu tanken. Bald entfaltet sich auch das Laub und hüllt den Baum in ein grünes Kleid, während sich die Früchte entwickeln.

Bereits im Juli (manche Arten/Sorten erst im Spätsommer) trägt der robuste, anspruchslose Strauch kleine rote, blaue bis schwarze Früchte, die man zu Marmelade verarbeiten oder mit den Gartenvögeln teilen kann. Ab Herbst verbreitet die Felsenbirne mit ihrer gelben bis roten Herbstfärbung ein Flair von „Indian Summer“ im Garten oder auf dem Balkon, bevor sie dann ihr Laub abwirft und ohne überwintert.

Felsenbirne (Amelanchier)
Diese Felsenbirne lässt sich von dem Feldahorn dahinter nicht stören.


Die Pflanzengattung der Felsenbirnen (Amelanchier) gehört zu den Rosengewächse und innerhalb dieser Familie zu den apfelfrüchtigen Kernobstgewächsen. Sie sind pflegeleicht und robust und sie gedeihen auch im Halbschatten.

Es gibt eine in Europa heimische Art (Amelanchier ovalis), die meisten anderen stammen aus Nordamerika, einige auch aus Asien.

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Bei uns werden vor allem die folgenden Amelanchier-Arten angeboten:
  1. Gemeine Felsenbirne (A. ovalis):
    Diese heimische Art wird etwa 3 m hoch, ist robust und hat eine gute Frosthärte. Die an die 5 cm großen Blüten zeigen sich ab April. Die schwarzen, etwa 1 cm große Früchte reifen ab Juli. Die Gemeine Felsenbirne ist bienenfreundlich und ein Vogelnährgehölz. Die gelbe bis rote Herbstfärbung macht auch im Kübel etwas her, denn diese Art ist auch als Kübelpflanze für große Pflanzgefäße geeignet.
  2. Kahle Felsenbirne (A. laevis):
    Die Kahle Felsenbirne stammt aus Nordamerika. Sie ist ein 3 bis 5 m hoher Großstrauch, robust und mit guter Frosthärte. Die Blüten können über 10 cm groß werden. Die Blütezeit beginnt im April, Früchte gibt es ab Sommer. Die rote Herbstfärbung verleiht dem Ausklang des Gartenjahres noch Indian-Summer-Zauber.
  3. Besen-Felsenbirne (A. spicata):
    Diese Art stammt ebenfalls aus Nordamerika. Sie bildet Ausläufer und wird maximal 2,50 m hoch, weshalb sie sich auch für Pflanzgefäße eignet. Darüber hinaus ist die Besen-Felsenbirne robust und gut frosthart. Die Blütezeit beginnt im April. Die duftenden Blüten sind unter 5 cm groß. Ab Juli kann man Früchte ernten, und im Herbst sorgt die gelbe bis rote Herbstfärbung für einen schönen Indian-Summer-Effekt. Die Besen-Felsenbirne ist ein Insekten- und Vogelnährgehölz, das auch als Kübelpflanze kultiviert werden kann und für lockere Wildobsthecken geeignet ist.
  4. Kupfer-Felsenbirne (A. lamarckii):
    Auch diese Art stammt aus Nordamerika. Die Kupfer-Felsenbirne ist ausgewachsen ein 6 m hoher und ebenso breiter Großstrauch, der sich für größere Gärten und Parks gut eignet. Sie ist robust und besitzt eine gute Frosthärte. Die Kupfer-Felsenbirne ist reichblühend. Sie blüht ab April, die Früchte werden ab Spätsommer reif. Seine intensiv orange-rote Blattfärbung im Herbst leuchtet besonders auffällig. Die Beeren essbar, der Großstrauch ist aber auch ein sehr gutes Vogelnährgehölz.


Früchte der Felsenbirne
Viele Arten der Felsenbirne tragen bereits ab Juli Früchte.


Herbstfärbung der Felsenbirne
Herbstfärbung der Felsenbirne Ende Oktober

Weitere Arten und Sorten findet man in gut sortierten Baumschulen. Dort kann man sich beraten lassen beziehungsweise beim Online-Kauf nach vielen Kriterien filtern und so die passende Art und Sorte finden.

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Holunder - nährt Menschen, Vögel und Nützlinge

Der Holunder Sambucus nigra braucht Platz.
(Bild von einer meiner Fotosafaris)
Der Holunder Sambucus nigra ist eine alte Kultur- und Heilpflanze - von Menschen, Vögeln und Nützlingen geschätzt.

Der Schwarze Holunder Sambucus nigra (auch Holler, Holder, Fliederbeere genannt) ist ein großer Strauch, der in Europa, im Kaukasus, Kleinasien, Armenien und Westsibirien verbreitet ist. Er steht gerne auf nährstoffreichen, feuchten, humosen und kalkhaltigen Böden, ist aber nicht wirklich anspruchsvoll und besiedelt sogar trockene und schwierige Standorte. Man findet den Holunder daher an Böschungen, auf Schuttplätzen und Waldlichtungen und er verträgt sogar die salzhaltige Luft und den Wind an den Küsten der Nordsee.

Die cremeweißen, duftenden Blütenstände (Schirmrispen) des Holunder leuchten von Juni bis Juli vor dem dunklem Laub. Das ist die Zeit für Hollerküchlein und Holunderblütensirup.

Hollerküchlein:
Holunder-Blütenstände unter fließend kaltem Wasser abspülen und anschließend mit Küchenpapier oder Handtuch trocken tupfen. Jeden Holunder-Blütenstand einzeln am Stiel nehmen, in Pfannkuchenteig tauchen und in Öl ausgebacken. Anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen. Entweder mit Puderzucker überstäubt servieren oder mit Kompott genießen.

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Holunderblütensirup:
Holunder-Blütenstände unter fließend kaltem Wasser abspülen und zusammen mit einigen Zitronenscheiben (Bio-Qualität) und Zucker in ein großes Glasgefäß geben. Wasser zum Kochen bringen und ausschalten. Das abgekochte heiße Wasser über die Holunder-Blütenstände gießen. 2 Tage stehen lassen, absieben, nochmals erhitzen (kurz vor dem Kochen vom Herd nehmen) und in sterile Glasflaschen abfüllen. Kühl und dunkel aufbewahren.

Holunderblüten werden von Menschen und Nützlingen geschätzt.
Doch sollte man wenigstens ein paar Blütenstände stehen lassen, damit sich aus ihnen im August und September die schwarzen, glänzenden, saft- und Vitamin-C-reichen Früchte entwickeln - denn auch aus denen lässt sich Köstliches zubereiten: beispielsweise Holundersaft (per Dampfentsafter), Holundersuppe oder Holundergelee. Und wenn dann noch etwas übrig bleibt: Auch die Vögel mögen Holunderbeeren.

Holunderbeeren sind reich an Vitaminen und Anioxidantien - allerdings sind weder die Früchte noch andere Pflanzenteile zum Rohverzehr geeignet: Der enthaltene Giftstoff Sambunigrin zerfällt erst beim Erhitzen (ähnlich wie bei grünen Bohnen das Phasin). Holunderblütentee gehört zu den Hausmitteln gegen Erkältungen.

Jeder, der schon einmal Holunderbeeren verarbeitet hat, weiß, dass die Holunderbeeren einen natürlichen Farbstoff enthalten, der sich kaum wieder entfernen lässt (vor allem sollte er nicht eintrocknen, die Holunderflecken-Entfernungstricks reichen ansonsten von Gallseife, über Bleiche, Salmiak, Buttermilch und Zitronensaft).

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Holunder lockt Nützlinge (beispielsweise Bienen, Schwebfliegen und Marienkäfer) sowie Schmetterlinge in den Garten. Nach Angaben des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sowie des Bayerischen Amtes für Landwirtschaft (LfL) gilt der Schwarze Holunder als gute Bienenweidepflanze - wobei das von der Region (Holunder wird eher in milderen Lagen angeflogen) sowie vom sonstigen Blütenangebot abhängt. Bienen, Schmetterlinge und die erwachsenen Schwebfliegen laben sich an den Blüten und bestäuben sie dabei. Marienkäfer und die Larven der Schwebfliegen ernähren sich von den Blattläusen, die am Holunder reichlich auftreten können. Und die Beeren werden von Vögeln geschätzt - die ihn auch gerne als Brutplatz nutzen.


Apropos Holunderblattlaus: Sie befällt neben dem Holunder nur wenige andere Pflanzen im Garten - Nelkengewächse, Ampferarten und Steinbrech - und muss in der Regel nicht bekämpft werden.

Wegen seiner positiven Eigenschaften ist der Holunder nicht nur eine beliebte Pflanze am Wegesrand auf dem Land, sondern kann auch den Garten bereichern. Allerdings kann die Wildart Sambucus nigra über 10 Meter hoch werden - sie ist also eher für große Gärten geeignet. Inzwischen werden allerdings in Baumschulen und im Gartenfachhandel auch kleiner bleibende Holunder-Sorten angeboten.

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Holunder ist ein Flachwurzler mit einem dicht verzweigten Wurzelwerk - beansprucht also nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Breite einiges an Platz. Rasen oder Gemüse gedeihen unter ihm nicht so gut, daher passt er am besten in eine Ecke, wo er nicht stört.

Die beste Pflanzzeit für den Holunder sind der Herbst und das zeitige Frühjahr. Quellen und weiterführende Informationen

* Werbelink

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